Der erste Teil des Hinrunden-Fazits

Bayern, Augsburg, Hoffenheim, Gladbach, Schalke und Bremen über ihr Saisonziel, Tops & Flops im Kader, Baustellen und wie's um den Verein steht!

FC Bayern München

  • Saisonziel

Ist das Saisonziel des FC Bayern nach der Niederlage im Pokal noch erreichbar? Prinzipiell ganz klar Nein! Auch wenn jedem Bayernfan nach dieser unfassbaren Triple Saison klar war, dass es sehr unwahrscheinlich ist selbiges noch einmal zu wiederholen, war und sollte es trotzdem der Anspruch der Bayern sein, diese drei Titel zu verteidigen. Den Pokal dreimal in Folge in die Luft zu stemmen bleibt also bis auf weiteres ein unerreichtes Ziel, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Natürlich ist es be***issen aus einem Wettbewerb auszuscheiden, wenn man allerdings etwas Positives daraus ziehen will dann vielleicht, dass man 2021 drei oder vier englische Wochen weniger hat als die Konkurrenz, vielleicht am Ende der entscheidende Faktor im Meisterrennen.

Auch wenn man nun sagen kann, das große Saisonziel ist verpasst, wäre es vermessen jetzt von einer gebrauchten Saison zu sprechen. Das Auftreten, die Spielweise und die Meisterschaft sind die entscheidenden Faktoren, nach denen man eine Saison bewerten sollte. Es ist weniger die Tatsache, dass man Spiele verliert, sondern das wie. Wenn die Spielfreude zurückkehrt und man wieder mit einem Konzept auftritt, wird auch dieses Jahr ein erfolgreiches für den FC Bayern und man wird auch als Fan wieder mehr Spaß an den Spielen haben.

  • Die Tops im Kader

Der beste Spieler im Bayern Trikot ist zurzeit unweigerlich Manuel Neuer, auf Platz zwei folgt Kingsley Coman. Platz drei teilen sich dann die Herren Kimmich, Lewandowski und Müller.  Neuer, da er die Bayern reihenweise, jetzt schon Saisonübergreifend, in allen Spielen hält, egal was die Abwehr veranstaltet.

Kingsley Coman hat den Schritt gemacht, auf den alle seit Jahren gewartet hatten und den ihm einige (ich eingeschlossen), nicht mehr zugetraut hatten. Solange er fit bleibt ist er die Nummer eins auf dem Flügel aktuell leider beinahe unangefochten, was vor der Saison anders zu erwarten war.

Lewandowski trifft und trifft und trifft, dennoch ist er aktuell nicht in der Verfassung des letzten Jahres, genau wie ein Gnabry oder ein David Alaba. Seine Treffer machen es allerdings unmöglich ihn nicht in die Topspieler dieser Spielzeit zu packen. Müller ist der mentale Antreiber des Teams und einer der wenigen, der die Mannschaft aktuell pusht. Es fehlt schlicht die Kreativität um ihn herum in der er sich letztes Jahr ganz entfalten konnte. Mit Joshua Kimmich im Mittelfeld steht und fällt das Spiel des Rekordmeisters, allerdings kann man auch von ihm keine Zauberei erwarten. Zum Fußball gehören nun mal immer mindestens 11 und drei oder vier gute Spieler gewinnen alleine keine Spiele, geschweige denn Titel. Positiv zu erwähnen wäre vielleicht noch Lucas Hernandez, der stets bemüht auftritt.

Als Top Transfers hätte ich hier gerne Sane und Roca genannt, allerdings hat noch keiner der beiden die an ihn geforderten Erwartungen erfüllt, es ist allerdings auch zu früh, um von Flops zu sprechen. Es ist immer leicht in einer euphorisch aufspielenden Mannschaft gut mitzuspielen, aber besonders in Situationen wie jetzt, wenn es einfach nicht läuft, sollten sie ihre Chance ergreifen und sich beweisen.

  • Die Flops im Kader

Als Tabellenführer von Flops zu sprechen ist natürlich immer dem eigenen Anspruch des FC Bayern geschuldet. Als größter Flop der bisherigen Saison ist wohl die gesamte Viererkette zu nennen. Alphonso Davies wegen Verletzung und Hernandez wegen wenig Spielzeit vielleicht noch davon ausgenommen. Alaba, Boateng, Süle, Pavard und Sarr gleichen über weite Strecken einem Trümmerhaufen. Am enttäuschendsten ist dies bei Niklas Süle, Nun wäre die richtige Zeit, sich vor die zwei wechselwilligen Platzhirsche in der Innenverteidigung zu drängen und zu zeigen, dass man in München zumindest bereits einen IV für die Zukunft hat. Was tatsächlich passiert, ist mehr oder weniger genau das Gegenteil davon.

Benjamin Pavard spielt auch meilenweit unter dem Niveau der Vorsaison. Leider kann ihm Buona Sarr auch weder Entlastung bieten, noch Druck machen. Der beste Münchner RV spielt unverzichtbar auf der Sechs, Pavard sollte demnach noch Chancen bekommen, sich zu fangen, sollte dies allerdings nicht der Fall sein könnte man sich schon mal lauwarme Gedanken über Chris Richards machen.

Die Flop Transfers sind weniger die geholten, sondern die, die man ziehen ließ. Einen Thiago kann man offensichtlich nicht ersetzen, genauso wenig einen Philippe Coutinho. Ein Douglas Costa ist ebenfalls kein Ivan Perisic, bei dem es am aller unverständlichsten war, warum er nicht fest verpflichtet wurde, er täte dem Münchner Spiel zurzeit mit Sicherheit gut. Das Gros der Transfers im Sommer sind am Ende das, was man befürchtet hatte: Masse statt Klasse.

  • Baustellen im Kader

Baustellen, die es zu fixen gilt, sind vor allem in der Defensive. Allerdings scheint es so, als gäbe es dort erst zur kommenden Saison einen dafür umso radikaleren Umbruch. Generell sieht es nicht danach aus, als wollen die Bayern im Winter auf dem Transfermarkt tätig werden, überhaupt Verstärkungen in dieser Niveauschublade zu finden ist allerdings auch kaum möglich.

  • Wie steht’s um den Verein?

In Anbetracht der sportlichen „Schieflage“ ist es noch überraschend ruhig im Verein. Kritisch sollte allerdings die ein oder andere PK genommen werden, in denen Augenwischerei bezüglich des eigenen Spiels, besonders des Abwehrverhaltens betrieben wurde und wird. Wenn sich da nichts ändert könnte es, falls die Ergebnisse nicht stimmen sollten, zeitnah zu Unruhen kommen.

Das Thema Rassismus wurde bereits in einem vorangegangenen Newsletter behandelt, dennoch sollte hier vor allem der Rassismus Zwischenfall im Nachwuchsleistungszentrum noch einmal erwähnt werden. Wenngleich es bereits vier Entlassungen gab kritisieren vor allem Fangruppierungen, wie der Club NR. 12, das Vorgehen des Vereins als „Intransparent“. Dem Verein läge viel daran, dieses „Problem“ mit möglichst wenig Aufsehen intern unter den Tisch zu kehren. Die vom Verein ins Leben gerufene Initiative „Rot gegen Rassismus“ verkommt in Anbetracht dessen, dass man nicht vor der eigenen Haustüre kehren möchte zu einer Farce.


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FC Augsburg

  • Saisonziel

In Augsburg geht es wie in jedem Jahr ausschließlich um den Klassenerhalt. Nach zwei Jahren, in denen man jeweils kurz vor Saisonende auf Platz 15 ins Ziel kam, darf man heuer gerne etwas früher das rettende Ufer erreichen. Punktetechnisch blickt man in der Fuggerstadt auf eine überaus erfolgreiche Hinrunde zurück, ganz unabhängig davon wie die beiden verbleibenden Spiele gegen Werder und den FC Bayern ausgehen werden. Mit (mindestens) 19 Punkten ist man voll im Soll.
Weniger erfreulich sieht es auf der spielerischen Seite aus. Wie schon Vorgänger Martin Schmidt, setzt auch Heiko Herrlich auf eine kompakte Grundordnung und schnelles Umschalten. Da es in der Vorsaison erschreckend viele Gegentore gab, liegt der Fokus in dieser Spielzeit vielleicht sogar noch ein wenig mehr auf der Defensive. Das macht den FC Augsburg letztlich zu einem mehr als unangenehmen Gegner, der in erster Linie versucht möglichst wenig zuzulassen. Gleichzeitig mangelt es an kreativen offensiven Spielideen. Chancen entstehen fast ausschließlich über (leider oft schlampig ausgespielte) Konter oder durch Standardsituationen.
Trotz der guten Ausgangsposition muss der FC Augsburg offensiv noch zulegen. Ansonsten droht man doch wieder in den Abstiegskampf zu geraten.

  • Die Tops im Kader

Im Sommer hatte der FCA verlor der FCA mit den Abgängen von Philipp Max und „Capitano“ Daniel Baier die prägenden Spieler der letzten Jahre. Gerade Baiers nicht ganz freiwilliges Karriereende bedeutete einen schmerzlichen Verlust für die Anhängerschaft. Bei kleinen Klubs sind Spieler mit langer Vereinszugehörigkeit in der Regel eine Rarität.
Umso erfreulicher, dass zwei Neuzugänge unmittelbar in die Bresche sprangen und die Hinrunde positiv herausragten. Rafał Gikiewicz (von Union Berlin im Tausch mit Andreas Luthe) stabilsierte das Torwartspiel und rette mehrfach mit überragenden Paraden wichtige Punkte. Daniel Caligiuri (Von Schalke 04) war vom ersten Spiel der unumstrittene Leader im Mittefeld: er spielte in allen 15 Spielen und brachte es auf 7 Torbeteiligungen (4 Treffer, 3 Vorlagen). Damit war der Deutsch-Italiener an beinahe der Hälfte aller FCA-Treffer beteiligt.

  • Die Flops im Kader

Erfreulicherweise erwies sich kein Spieler in der Hinrunde als wirklicher Flop. In der vorigen Saison sah es mit der Verpflichtung von Keeper Tomas Koubek noch ganz anders aus.
Natürlich gab es aber Spieler, die die in sie gesetzten Erwartungen leider nicht erfüllen konnten. Zuallererst sei an dieser Stelle Michael Gregoritsch genannt, der im Sommer von einer sechsmonatigen Leihe von Schalke 04 zurück nach Augsburg kam. Obwohl beide Seiten zu Saisonbeginn ernsthafte Versuche unternahmen wieder zueinander zu finden, erreichte „Gregerl“ leider das Niveau vergangener Spielzeiten nicht mehr, so dass er ab Herbst vornehmlich auf der Bank Platz nehmen musste. Eine etwas unglückliche Figur gab leider auch Flo Niederlechner ab. In der Vorsaison noch absoluter Überflieger, dem alles zu gelingen schien, wartet der Stürmer in dieser Saison trotz eifriger Bemühung noch auf den ersten Treffer. In Anbetracht magerer 17 Törchen würde dem FCA eine aufsteigende Form Niederlechners wirklich helfen.

  • Baustellen im Kader

Die Baustellen im Kader sind recht übersichtlich. Im Sommer bestand die Herausforderung vor allem darin den viel zu überdimensionierten Kader mit teilweise bis zu 40 Spielern deutlich zu verkleinern. Das Thema könnte gegen Saisonende wieder aktuell werden, wenn die Kaufoptionen der verliehenen Spieler nicht gezogen werden.

  • Wie steht’s um den Verein?

Für das Umfeld des FCA war es eine beschauliche, fast schon langweilige Hinrunde. Wie bei allen Bundesliga-Klubs drücken die fehlenden Zuschauereinnahmen, führten aber bislang nicht zu existenziellen Schwierigkeiten. Durch den gelungenen Auftakt mit 7 Punkten aus den ersten drei Spielen kam niemals Unruhe auf. In Anbetracht der kommenden Aufgaben könnte sich dies allerdings schnell ändern. Zum Abschluss der Hinrunde geht es gegen die Bayern, anschließend stehen Union, der BVB, Wolfsburg, Leverkusen und Leipzig auf dem Programm. Gut möglich, dass man in diesen sechs Spielen keinen einzigen Punkt holt und plötzlich mitten im Abstiegskampf steckt. Und das würde auch das Trainergespann in Erklärungsnöte bringen. Das Umfeld würde sich gewiss freuen, wenn es eine ebenso langweilige Rückrunde würde.


1899 Hoffenheim

  • Saisonziel

Auch wenn vor der Saison fast schon traditionell kein offizielles Saisonziel ausgerufen wurde, so muss der Angriff auf die internationalen Plätze mit dem vorhandenen Spielermaterial eigentlich das Mindestziel sein. Im DFB-Pokal hatte man sich sicherlich mehr als Runde zwei erhofft, einzig in der Europa League scheint alles nach Plan zu laufen.

Dabei startete die Saison in der Bundesliga eigentlich optimal. Am ersten Spieltag siegte man mit 3:2 in Köln und schoss am darauffolgenden Wochenende die Bayern mit 4:1 aus dem Stadion. Nach der ersten Länderspielpause folgte jedoch ein herber Dämpfer. Lebensversicherung Andrej Kramaric und Dauerbrenner Pavel Kaderabek fielen aufgrund von COVID-19 aus und zwischenzeitlich fehlten ganze zehn (!) Spieler aufgrund von positiven Coronatests, so dass der nächste Sieg in der Liga erst am zehnten Spieltag gegen Augsburg gelang. Mit einem Sieg in Gladbach und einer Niederlage im Pokal gegen Fürth verabschiedete sich die TSG in die Winterpause.

Aber auch der Januar startete mit einer 1:3 Heimniederlage gegen Freiburg und einer 0:4 Klatsche auf Schalke alles andere als optimal. Mittlerweile rangiert die TSG mit mageren 15 Punkten und einem Torverhältnis von -8 auf Platz 14 und ist nur vier Punkte vom Relegationsplatz 16 entfernt. Aus den nächsten Spielen sollte man also dringend Punkte holen, um sich nicht noch weiter vom oberen Tabellendrittel zu entfernen.

  • Die Tops im Kader

Im Laufe des Transferfensters verpflichtete die TSG Mijat Gacinovic von der Eintracht im Tausch mit Steven Zuber und lieh Ryan Sessegnon und Sebastian Rudy von Tottenham und S04 aus.

Zu Beginn der Saison stach vor allem Andrej Kramaric mit sechs Treffern nach nur drei Ligaspielen hervor. Seine Wichtigkeit im Spiel der TSG zeigte sich vor allem nach seiner Coronainfektion; die Mannschaft wirkte offensiv ziemlich planlos.

Auch Neuzugang Ryan Sessegnon stellte seine Wichtigkeit schnell unter Beweis und verdrängte Robert Skov aus der Startelf. Der junge Engländer belebt das Spiel der TSG mit seinem Tempo über die linke Seite und war in dieser Saison bereits zweimal als Torschütze erfolgreich.

Auch Sechser Diadie Samassekou ist mittlerweile ein elementarer Bestandteil der Mannschaft. Im System von Sebastian Hoeneß fungiert er als “Staubsauger” und Abräumer vor der Abwehr und spielt bisher eine überragende Saison.

  • Die Flops im Kader

Als Flops sind diese Saison sicher Ishak Belfodil und Jacob Bruun Larsen zu nennen. Einen wirklichen Flop-Transfer gibt es eigentlich nicht, jedoch konnte Mijat Gacinovic seine Fähigkeiten noch nicht vollständig unter Beweis stellen.

Stürmer Ishak Belfodil wirkt wie ein ein Fremdkörper auf dem Platz. Er scheitert an den einfachsten Ballannahmen, verliert zu viele Bälle und war bisher nur per Elfmeter in der Europa League erfolgreich.

Der im vergangenen Winter für neun Millionen Euro geholte Däne Brunn Larsen konnte seit seiner Ankunft noch nicht Überzeugen und soll dem Vernehmen nach verliehen werden.

  • Baustellen im Kader

Vor der Saison wirkte der Kader ziemlich gut besetzt, jedoch entwickelte sich aufgrund von Verletzungen und Sperren schnell ein Problem in der Innenverteidigung. Sollte sich in den kommenden Wochen also eine günstige Gelegenheit bieten, kann man möglicherweise mit einem Neuzugang in der Innenverteidigung in diesem Winter rechnen.

  • Wie steht’s um den Verein?

Das Jahr 2020 startete für die TSG und vor allem für Mäzen Dietmar Hopp alles andere als schön. Erneut sah sich Hopp ekelhaften Beleidigungen und geschmacklosen Plakaten gegenüber, die mancherorts sogar zu Spielunterbrechungen führten. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurde es jedoch (zum Glück) relativ ruhig um Dietmar Hopp.

Seit Beginn der Pandemie unterstützt die TSG kleinere Vereine aus der Region finanziell und einige Fans halfen Risikopatienten während des ersten Lockdowns bei ihren Einkäufen.

Seinen traurigen Höhepunkt erreichte das Jahr für die Kraichgauer am vierten September, als Vorstand Peter Hofmann seiner schweren Krankheit erlag. Der gebürtige Hoffenheimer war seit 1966 Teil des Vereins und wurde im Dezember 2018 mit 100% der Mitgliederstimmen als Präsident der TSG bestätigt. Ruhe in Frieden, Peter.


Borussia Mönchengladbach

  • Saisonziel

Alles im Plan in der Hennes-Weisweiler-Allee. Zugegeben, in der Bundesliga hechelt man den Topteams noch etwas hinterher, doch mit den beiden Siegen gegen Bielefeld und Bayern im neuen Jahr sieht das zumindest punktemäßig schon etwas freundlicher aus. Die Teilnahme am internationalen Geschäft im kommenden Jahr ist auch zur Saisonhalbzeit noch greifbar.

In den Pokalwettbewerben hat Borussia die Saisonziele im Prinzip schon erreicht und kann die “Bonus-Prämien” anpeilen. International war das Überstehen der Gruppenphase das gesetzte und auch realistische Ziel - in einer Gruppe mit Inter Mailand, Real Madrid und Schachtar Donezk zumindest mit der Qualifikation für die Euro League. Dass es nun sogar in der CL und nicht in der Euro League weitergeht, ist schon ein lukrativer Bonus, der dem Verein in Corona-Zeiten sehr gelegen kommt. Ende Februar wartet nun Manchester City, da wird das Gladbacher Team zeigen können, ob es aus den Begegnungen mit den ganz Großen gelernt hat und den Favoriten auch über zwei Spiele hinweg schlagen kann.

Im DFB-Pokal plant das Management einnahmetechnisch schon traditionell nur mit dem Erreichen der zweiten Runde, auch dies ist gegen unterklassige Gegner problemlos gelungen. Das Drittrunden-Los VfB Stuttgart ist zwar kein Selbstläufer, aber durchaus machbar. Vorher sollte man aber nicht an andere Dinge denken – wer zu früh vom Pokaltitel träumt, wird schnell mal mit einem Pokal-K.o. unsanft geweckt. Dennoch ist es ein offenes Geheimnis, dass es jeden in Mönchengladbach mal wieder nach einem Titel dürstet - und der ist wenn, dann im DFB-Pokal wohl am leichtesten realisierbar.

  • Die Tops im Kader

Die auffälligsten Spieler der Hinrunde sind - etwas überraschend - in diesem Spieljahr andere als im ersten Halbjahr. Nicht Zakaria, Thuram und Plea stehen in der Bundesliga bislang so sehr im Rampenlicht (in der Champions League sieht das bei Plea und Thuram gleichwohl anders aus), sondern die älteren Recken Lars Stindl, Christoph Kramer, Jonas Hofmann oder Matthias Ginter. Dazu hat Florian Neuhaus zur Vorsaison nochmal eine weitere Raketenstufe gezündet und sich mit Traumpässen in Serie in die Notizbücher von Scouts aller europäischen Topklubs gespielt. Mangels Top-Transfer in diesem Sommer ist Neuhaus mit Sicherheit der Spieler mit der auffälligsten Weiterentwicklung. Doch dass Jonas Hofmanns Ideen, seine Zweikampf- und Laufstärke für die Rose-Elf vielleicht noch etwas wichtiger sind, zeigt sich gerade in den vergangenen Wochen, seit das im Herbst bei der Nationalmannschaft verletzte (und auch von vielen Gladbach-Fans lange verkannte) Mittelfeld-Ass wieder fit ist.

Allerdings: Borussias Stärke ist, dass die Mannschaft eben nicht von einzelnen Spielern abhängig ist. So wurden auch verletzungsbedingte Ausfälle immer wieder gut aufgefangen. Beste Beispiele: In der Vorsaison saß er oft draußen, in dieser Hinrunde erkämpfte sich Christoph Kramer in Abwesenheit von Denis Zakaria den Platz im defensiven Mittelfeld neben Florian Neuhaus zurück. Und diese beiden harmonieren inzwischen so gut, dass der Schweizer nach seiner Rückkehr noch seine neue Rolle finden muss. Zweites Beispiel: Ohne die Topstürmer Thuram und Plea ging der VfL in die Partie gegen die Bayern. Doch nach dem Spiel war das gar kein Thema: Stindl, Hofmann, Neuhaus und Embolo hatten der Partie beim 3:2 ihren eigenen Stempel aufgedrückt.

  • Die Flops im Kader

Gladbach hat im Sommer nur zwei neue Spieler verpflichtet, und beide zunächst nur geliehen: Valentino Lazaro (Inter) und Hannes Wolf (Leipzig). Beide haben noch nicht die Rolle spielen können, die man ihnen zugetraut hatte. Das liegt aber auch an Verletzungen. Der frühere Berliner Lazaro hat da bisher klar die Nase vorn. Neben dem „Scorpion-Kick“-Tor-des-Jahres gegen Leverkusen zeigte er sich vielseitig offensiv wie defensiv über rechts, aber auch als Aushilfs-Linksverteidiger machte er eine gute Figur. Allerdings nimmt ihn derzeit schon die zweite Muskelverletzung im Borussia-Dress wieder für Wochen aus dem Spiel.

Dünner ist die Bilanz von Offensivspieler Hannes Wolf. Das wichtige Siegtor „ausgerechnet“ gegen seinen alten Verein Leipzig steht auf der Habenseite. Er lässt sein Potenzial auch bisweilen aufblitzen. Doch bei seinen Einsätzen wirkte er oft noch etwas fremd im ansonsten miteinander gut eingespielten Kernteam. Allerdings muss man berücksichtigen, dass der Österreicher fast die gesamte letzte Saison verletzt war. Den Stab über ihn zu brechen, das wäre zu früh.

Kein Flop - aber mit sich selbst unzufrieden dürfte Laszlo Benes sein. Der talentierte Slowake kam auch in der Hinserie - trotz der vielen Spiele und zwischenzeitlicher Verletzungen von Zakaria und Hofmann - nicht an seinen Mittelfeldkonkurrenten vorbei.

  • Baustellen im Kader

Für die Gladbacher Verantwortlichen gibt es keinen Grund, im Winter transfertechnisch tätig zu werden. Wenn der junge Kouadio Koné aus Toulouse tatsächlich verpflichtet wird, ist dies ein Vorgriff auf den Sommer und einen möglichen Verlust eines Spitzenspielers wie Neuhaus oder Zakaria. Abgänge könnten Spieler sein, die zwecks Spielpraxis ausgeliehen werden wollen (Poulsen, Villalba). Das einzige Problem sind die Unwägbarkeiten von Verletzungen und Corona-Erkrankungen. Einmal hatte Gladbach im Herbst schon mal das Problem, dass keine etatmäßige Abwehrkette mehr zur Verfügung stand und Christoph Kramer zum Innenverteidiger mutieren musste. Doch das lässt sich nicht vorhersehen. Der Kader ist in jedem Fall ausgeglichen genug besetzt, um Ausfälle im normalen Umfang kompensieren zu können.

  • Wie steht’s um den Verein?

Für die schwierige Zeit, in der wir leben, schon fast unverschämt gut. Natürlich, Erfolg macht sexy, und gute Leistungen bleiben nicht unbeobachtet. Aber der Verein ist immer größer als der einzelne Spieler oder Trainer. Bedeutet: Selbst wenn am Saisonende der eine oder andere den Verlockungen aus der Fremde erliegen sollte, ist inzwischen genug Vertrauen da, dass Borussia vorbereitet ist und den eingeschlagenen Weg weitergeht.

Während dieser Tage die Begehrlichkeiten anderer Vereine nach Gladbacher Aktiven wachsen und fast jeden Tag ein neues Gerücht um Marco Rose und mindestens eine Handvoll seiner Schützlinge durch den Borussia Park geweht wird, hat der Verein nämlich seine wichtigsten Personalien längst langfristig geklärt. Die vor Weihnachten publik gewordenen Vertragsverlängerungen mit Sportsdirektor Max Eberl und Geschäftsführer Stephan Schippers bis 2026 sind mehr wert als jede andere Vertragsunterschrift. Denn dank eines umsichtigen Präsidiums und einer realistischen Arbeit im Management hat der VfL sowohl nachhaltigen sportlichen Erfolg als auch seine Finanzen – trotz Corona-Krise – fest im Griff.

Auch ohne Zuschauer im Stadion und weniger Fernsehgelder bleibt das Loch im Etat nach Borussia-Angaben in diesem Geschäftsjahr “weit unter 20 Millionen Euro”. Das hat natürlich auch mit dem sportlichen Erfolg zu tun, der sich vor allem in der Champions League auszahlt. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Borussia zuletzt außerhalb des Rasens mit Hotel, Museum und neuem Fanshop weitere große Investitionen gestemmt hat, wo nun einkalkulierte Einnahmen durch Corona wegfallen.

Was besser sein könnte, ist mehr Durchlässigkeit vom Nachwuchs in die Profimannschaft. Oder genug junge Spieler, die das Zeug haben, sich dort auch durchzusetzen. Trotz erheblicher Investitionen gelang in den vergangenen Jahren nur einzelnen Spielern mal der Sprung in den Bundesliga-Kader. Durchgesetzt zertifiziertem und ausgebautem Internat und Nachwuchszentrum hat sich nach Marc André ter Stegen 2011 nur noch Mo Dahoud, der aber auch längst in Dortmund spielt. Am nächsten dran sind derzeit Abwehrmann Jordan Beyer und Mittelfeldspieler Rocco Reitz, doch Stammspieler sind sie längst noch nicht. Interessanterweise gilt gleiches auch für alle Spieler, die Borussia in den vergangenen Jahren aus anderen Ländern frühzeitig ins eigene Internat geholt hat. Der Verein hat das erkannt und probiert einiges aus. Doch das braucht Zeit. Und angesichts der gestiegenen sportlichen Qualität wird die Aufgabe auch nicht leichter – weil der Sprung zu den Profis auch ein weit höherer ist, als ihn etwa Patrick Herrmann einst bei einem Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach überwinden musste.


Schalke 04

  • Saisonziel

Nachdem Schalke zuletzt zwei Saisons hatte, in denen spätestens zur Rückrunde alles spielerisch Aufgebaute zerflogen ist, konnte das Saisonziel eigentlich nur "möglichst früher Nichtabstieg" lauten. Und ja, der kann noch erreicht werden, aber Schalke liegt momentan selbst hinter diesem Minimalziel für alle Bundesligisten deutlich zurück.

Außerdem steht weiterhin eine finanzielle Konsolidierung auf Schalke an. Zu Corona-Zeiten und mit dem ausbleibenden sportlichen Erfolg der letzten Jahre kann man hier aber eh nicht mehr tun, als das Schlimmste zu verhindern.

Ansonsten war - wie auch schon die letzten Jahre -  der Aufbau einer offensiven Spielidee angedacht. Doch dafür bräuchte es Konstanz auf der Trainerposition, Geduld mit dem Team und Vertrauen auf diese Idee im Fall von Rückschlägen. Stattdessen sitzt seit dem 14. Spieltag der vierte Schalketrainer dieser Saison auf der Bank. Und keiner davon hatte auch nur annähernd die nötige Unterstützung bekommen.

Wagner wurden schon wieder Schlüsselspieler unterm Arsch wegtransferiert und kein auch nur ansatzweise passender Ersatz geholt. Stattdessen bekam er eine Vorbereitung, bei der von den sechs angedachten Spielen direkt von dem Ligaauftakt gegen Bayern aus verschiedenen Gründen nur zwei stattfinden konnten. Ein Konzepttrainer, dessen Konzept im Januar öffentlickeitswirksam entschlüsselt wurde, der keine Unterstützung vom Vorstand bekam, außer dass er erstmal seinen Job behalten durfte und der wieder nur vom Pech verfolgt wird - das konnte ja nicht klappen.

Nach zwei Spieltagen wurde dann gewechselt, es kam Baum. Der bekam dann endlich einen Rechtsverteidiger verpflichtet, bzw. hat er ihn selbst mitgebracht, weil er ihn aus seiner Tätigkeit als U20-Nationaltrainer kannte. Was er allerdings nicht bekam, war sein gewünschter Co-Trainer. Stattdessen wurde er vom Trainerjob-unerfahrenen Duo aus Ex-Spieler Naldo und U17-Trainer Cinel unterstützt. Und er bekam natürlich keine Saisonvorbereitung und nur magere zehn Spiele Zeit. Eine Entwicklung war zwar zu erkennen, die Ergebnisse stimmte aber nicht - wie auch? - und so wurde er vor Weihnachten wieder rausgeschmissen.

Es übernahm interimsweise Stevens und seit Januar ist nur Gross am Werk. Der hat immerhin einen zusätzlichen erfahrenen Co-Trainer, Widmayer, an die Seite gestellt bekommen. Die klaffenden Kaderlücken sind hingegen noch nicht geschlossen worden. Trotzdem gelang es ihm, in seinem zweiten Spiel den ersten Sieg der Saison einzufahren. Aber egal wie erfolgreich seine Amtszeit wird, er hat nur Vertrag bis zum Sommer und wird den Verein dann aller Wahrscheinlichkeit nach verlassen und in den Ruhestand zurückkehren. Also muss der Aufbau in jedem Fall nächste Saison von neuem begonnen werden. Und es geht nur noch darum, dass Schalke auch dann noch in der ersten Liga mitspielt.

  • Die Tops im Kader

Tops im Kader zu finden ist ob der sportlichen Ergebnisse schwer, Flops hingegen drängen sich viel zu viele auf. Nach dem letzten Spiel ist zumindest Hoppe zu nennen, der als dritter Spieler aus der U19 dieses Jahr den Sprung in die erste Mannschaft gepackt hat. Zuvor waren schon die 2001-er Jahrgänge Thiaw und Bozdogan ins Profiteam aufgerückt.

Ansonsten wäre noch Rønnow positiv zu erwähnen, der als zweiter Torhüter für ein Jahr leihweise geholt wurde. Er hatte Fährmann zwischenzeitlich sogar verdrängt, musste aber mit dem neuen Trainer wieder auf die Bank zurück -  restlos überzeugen konnte er also bisher auch nicht. Und Uth hat sich eine zentrale Rolle auf Schalke erarbeitet, übernimmt sowohl spielerisch als auch menschlich Verantwortung.

  • Die Flops im Kader

Bei der Mannschaftsleistung dieser Saison noch einzelne Spieler als Flop heraus- und bloßzustellen, das möchte ich nicht. Stattdessen sei hier Tönnies erwähnt, der sich nichtmal ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt aus dem Aufsichtsrat wieder ins Rampenlicht zwängt und dem Verein mit allem was er gerade tut nur schadet - was ihm aber egal zu sein scheint, solange er sein Ego damit befriedigen kann. Und in diesem Zusammenhang will ich den Vorstand nicht unerwähnt lassen, der - trotz der miserablen Lage, für die ja keiner mehr verantwortlich sein kann als der Aufsichtratsvorsitzende über rund 20 Jahre, und trotz all der Verfehlungen der Person Tönnies - sich und den Verein nun wieder an eben jenen Tönnies anbiedert.

  • Baustellen im Kader

Schalke hat nur einen gelernten Rechtsverteidiger und der ist längerfristig verletzt. Außerdem fehlt ein Zielspieler im Sturm, denn auch hier ist der angedachte Spieler, Paciencia, auf absehbare Zeit verletzt. Ansonsten hängt viel davon ab, wie der neue Trainer die Rückrunde spielen lassen will und auf welche Spieler er dabei baut. Beides kann ja nach nur zwei Spielen noch nicht abschließend geklärt sein. Und natürlich muss eigentlich erst finanzieller Spielraum für Transfers geschaffen werden. Heißt einige der besser spielenden Spieler zu verkaufen, die dann aber auch wieder ersetzt werden müssen.

  • Wie steht’s um den Verein?

Also außer der sportlichen und finanziellen Misere, außer der fragwürdigen Personalpolitik und dem narzisstischen Auftreten Tönnies'? Naja, der Vorstand zeigt sich im Umgang mit den Fans beinahe wöchentlich grob stümperhaft, hat die versprochenen Transparenz immer noch nicht auch nur ansatzweise eingelöst und zeigt sich extrem dünnhäutig, selbst bei angebrachter Kritik auf die nun mittlerweile jahrelangen andauernde Abwärtsspirale.

Und obendrein fand 2020 keine Mitgliederversammlung statt, die Pläne für 2021 sind ziemlich fragwürdig und dabei sitzen im Aufsichtsrat schon zwei provisorische Mitglieder - mehr sind laut Satzung auch gar nicht möglich, weil nicht mehr Kandidaten zur Wahl 2019 zulassen waren - und ein Mitglied, dass nur bis 2020 gewählt worden war. Von wirklicher Mitgliedervertretung ist da wenig übrig geblieben. Und überhaupt hat man das Gefühl, dass das einzige Interesse des Vorstands an einer MV darin besteht, dass anders keine Ausgliederung durchgeführt werden kann.

Auf Schalke kriselt es an allen Ecken und Enden. Allein der erste Sieg und die somit ersparte mediale Demütigung ob des Negativrekordes stimmen mich als Schalkefan leicht optimistisch.


Werder Bremen

  • Saisonziel

Mit dem Klassenerhalt hat Werder Bremen ein klares Saisonziel ausgegeben.

Nach der gewonnenen Relegation gegen Heidenheim und den finanziellen Einbußen aufgrund der Pandemie ist das ein realistisches Ziel. Mit 15 Punkten nach 15 Spieltagen ist die Punkteausbeute zwar nicht üppig, aber mit Platz 13 ist man noch im Soll. Die 4 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz bzw. die 8 Punkte auf den Abstiegsplatz sind aber nur ein dünnes Polster und zeigen das jeder gewonnene Punkt wichtig für den Klassenerhalt sein kann.

  • Die Tops im Kader

Beruhigend ist, dass Jiri Pavlenka, nach der durchwachsenen letzten Saison wieder zur alten Stärke zurückgefunden hat. Auch wenn er in dem ein oder anderem Spiel mal nicht perfekt war, so ist er doch wieder ein verlässlicher Rückhalt im Tor.

Der Linksverteidiger Ludwig Augustinsson der das entscheidende Tor in der Relegation gegen Heidenheim geschossen hat, hat noch einmal eine Schippe drauf gelegt. Er ist der Mann für die Ecken, Flanken und unermüdlicher Arbeiter auf der linken Seite. 

Die positive Überraschung im Team ist Jean Manuel Mbom. Der 20-jährige Allrounder, der schon seit über 7 Jahren bei Werder ist, hat nach seiner Leihe beim KFC Uerdingen in der letzten Saison gutgetan und nun den Durchbruch geschafft. Was er allerdings noch lernen muss, ist, sich besser im Griff zu haben. Mit 6 Gelben Karten nach 12 Spielen zeigt er zwar Einsatz und Leidenschaft, aber das ist eindeutig zu viel des guten.

  • Die Flops im Kader

Der im Januar 2020 zurückgekehrte Davie Selke, ist bisweilen eine Enttäuschung. Man nimmt ihm zwar ab, das Werder für ihn ein besonderer Verein ist und Werder im am Herzen liegt, aber auf den Platz konnte er das noch nicht zeigen. Er ist zwar stets gut gelaunt und versprüht Optimismus, aber die erwünschten Tore, die man sich von ihm erhofft hatte, fehlen bislang. Zu Gute halten muss allerdings auch, dass er auch mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

Yuya Osako der zur Saison 2018/19 nach Bremen kam, hatte schon in der letzten Saison seine Probleme und tauchte spielerisch in der Rückrunde ab. In dieser Saison hat sich das bis jetzt auch noch nicht gebessert, weshalb er es vermutlich zuletzt auch nicht in den Kader geschafft hat. Da er in Japan ein Star ist und das japanische Team bei den Olympischen Spielen in Japan führen soll, halten sich hartnäckige Gerüchte über eine Rückkehr nach Japan. Ein Teil der Werder Fans könnte den Abgang durchaus verschmerzen.

Der 21-jährige Tahith Chong kam vor der Saison als Leihgabe von Manchester United und sollte den geplanten Abgang von Milot Rashica auffangen. Der junge Niederländer, der in der Bundesliga Spielpraxis sammeln sollte, ist ein schneller Rechtsaußen, der es aber immer wieder schafft, den Ball vor dem Tor zu verlieren. Die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich vor dem gegnerischen Tor durchzusetzen, daran muss er dringend arbeiten. Bislang konnte dies nur im Pokal gegen unterklassige Vereine zeigen. 

Zweifelsfrei ist er ein großes Talent und braucht noch etwas Zeit. In dieser Hinsicht wäre eine Verlängerung der Leihe um ein weiteres Jahr sinnvoll.

  • Baustellen im Kader

Zu Beginn der Saison wurde der Leitwolf im Mittelfeld, Davy Klaassen abgegeben. Nachdem das Angebot seines Heimatclubs Ajax Amsterdam kam, bat er um Freigabe für den Wechsel. Nachdem man sich auf die Ablöse von 11 Mio. geeinigt hatte, wechselte er in die Eredivisie und spielt dort groß auf. Werder hätte ihn wohl gerne behalten, aber die durch die Pandemie verursachten zusätzlichen Kosten haben Werder gezwungen, durch Spielerverkäufe Einnahmen zu generieren. Ein neuer Spieler wurde dafür aber nicht verpflichtet. Werder versuchte durch eigene Spieler diese Lücke zu kompensieren, was nur teils gelingt. Auffällig wird der Verlust von Klaassen besonders, wenn es nicht rund läuft auf dem Feld und man einen Leader bräuchte. Einer, der die Mitspieler antreibt und in diesen Momenten mit Guten Beispiel vorangeht.

  • Wie steht’s um den Verein?

Die Pandemie trifft Werder natürlich genauso hart wie viele andere Vereine auch. So musste man Spieler verkaufen und Kredite über 20 Millionen Euro über eine Landesbürgschaft des Land Bremen erhalten. Den benötigten Werder zur Sicherung von Arbeitsplätzen und machte damit erstmals in der Vereinsgeschichte im großen Stil Schulden.

Ein anderes Thema, welches in den letzten Monaten immer mal wieder von ehemaligen Werder Funktionären angefeuert wurde, ist die Kritik an der aktuellen Chefetage. So haben sich Ex- Manager Willi Lemke genauso wie Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer kritisch geäußert und TV-Mann Jörg Wontorra hat sogar angekündigt, für den Aufsichtsrat zu kandidieren zu wollen. Der Termin für die Mitgliederversammlung wurde aufgrund der Pandemie verschoben und soll vermutlich im April/Mai im Weserstadion stattfinden.