Teil 2 des Hinrundenfazits

Eine ausführliche Rückschau der Hinrunden von Leipzig, Stuttgart, Frankfurt, Leverkusen, Freiburg und Wolfsburg inkl. Saisonziel (noch erreichbar?), Analysen des Kaders und der Stimmung im Verein

RB Leipzig

  • Saisonziel

Die Tabelle lügt nicht. Folgt man dieser Binsenweisheit hat RB eine gute bis sehr gute Hinrunde gespielt. Auf Platz 2 mit 35 Punkten (zwei weniger als in Vorsaison, in der man Herbstmeister wurde) ist Leipzig als einziges Team noch in so etwa wie Schlagdistanz zu den Bayern. Dazu hat sich die Nagelsmann-Elf in der Champions League in einer Gruppe mit PSG und Manchester United für die Ko-Phase qualifiziert und steht außerdem im Achtelfinale des DFB-Pokals. Im Gegensatz zu den Münchenern ist das Triple also noch drin. ^^

Trotzdem bleibt das unbestimmte Gefühl, dass in dieser ungewöhnlichen Saison, in der der FCB wie alle europäischen Spitzenteams etwas von seiner Dominanz eingebüßt hat, noch mehr drin wäre. Auf der einen Seite hat sich das RB im zweiten Jahr unter Nagelsmann spielerisch klar weiterentwickelt. Gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte tritt man als dominante Ballbesitzmannschaft auf und hat nur beim 0:0 gegen Köln Punkte liegen lassen. Demgegenüber gelang gegen ein Spitzenteam in der Bundesliga auch in dieser Hinrunde kein Sieg. Seit Oktober 2019 (!) hat Leipzig weder gegen die Bayern und den BVB noch gegen Gladbach, Leverkusen, Wolfsburg und Frankfurt gewonnen. Für ein wirkliches Spitzenteam bekommt RB seine durchaus kreative und dominante Spielanlage oft nicht über 90 Minuten auf den Platz. Dieser nächste Entwicklungsschritt fehlt der Mannschaft noch zu einem wirklichen Titelkandidaten. Wenn Julian Nagelsmann vor wenigen Tagen betonte: „Keiner im Klub hat mir die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt: Du musst in diesem Jahr Meister werden“, mag das stimmen. Trotzdem könnte die diesjährige Saison das eine, sich ausnahmsweise öffnende Zeitfenster sein, in der es möglich wäre.   

  • Die Tops im Kader

Auf dem Aufstellungsbogen wird José Ángel Esmoris Tasende („Angelinio“) als linker Außenverteidiger geführt. Doch verteidigen ist nur seine zweitliebste Aufgabe (51,7 % Zweikampfquote). Stattdessen avancierte der von ManCity ausgeliehene Spanier dann der offensiven Freiräume im System von Julian Nagelsmann und seiner überragenden Technik mit 8 Toren und 8 Vorlagen (in allen Wettbewerben) zu RBs torgefährlichsten Spieler. Mit 24 Startelfeinsätzen und 2.405 Spielminuten ist er außerdem der Dauerläufer des Teams. Wenn alles normal läuft, wird RB am Ende der Saison die Kaufoption von geschätzten 20 Millionen Euro ziehen und den 24jährigen fest verpflichten.

Das Comeback der Hinrunde feierte im Oktober 2020 Willi Orban, der nach schwerer Knieverletzung zu seinen ersten Startelfeinsatz nach fast einem Jahr kam. Seitdem war der 28jährige Innenverteidiger immer da, wenn er aufgrund der zahlreichen Verletzungen in der Abwehr gebraucht wurde. Seine fehlende Schnelligkeit macht er mit viel Erfahrung, einem überragenden Stellungsspiel und seiner  Kopfballstärke wett. Er ist mit 67,5 Prozent gewonnenen Zweikämpfen nicht nur der effektivste Verteidiger bei RB Leipzig, sondern auch ein absoluter Vorzeigeprofi, der auch auf der Bank nicht für schlechte Stimmung sorgt. In der Vergangenheit angesichts der Konkurrenz durch Upamecano und Konate oft schon abgeschrieben, könnte er sich so eine Verlängerung seines bis Sommer 2022 laufenden Vertrages erspielen.

Ein „unsung hero“ im Team ist seit Jahren trotz überragender Leistungen Peter Gulacsi. Der Stammtorhüter kassierte in der Hinrunde nur 14 Gegentore und  blieb in acht Spielen ohne Gegentor. (beides Bestwert in der Bundesliga) Seine vielleicht wichtigste Parade lieferte der ungarische Nationaltorhüter als er beim 3:2-Heimsieg gegen ManUtd in der Nachspielzeit ein Eigentor von Nordie Mukiele verhindert und so den Einzug ins CL-Achtelfinale festhielt.

  • Die Flops im Kader

In dieser Rubrik fällt dem geneigten Beobachter sofort die bislang überschaubare Bilanz der offensiven Sommerneuzugänge Hwang, Sörloth, Heinrichs, Kluivert und Samardzic ein. Wobei der Begriff „Flops“ für alle Genannten zu hart ist. Hwang kam bereits verletzt nach Leipzig und wurde dann von einer schwereren Coronainfektion wochenlang außer Gefecht gesetzt. Defensivallrounder Heinrichs laboriert an einer Patellasehnenverletzung und fällt auf absehbare Zeit aus. Auch Justin Kluivert war zwischendurch verletzt, machte aber beim 2:2 in Wolfsburg am 16. Spieltag nach seiner Einwechslung durchaus auf sich aufmerksam. Der als Werner-Ersatz geholte norwegische Stürmer Sörloth kam erst kurz vor Ende der Transferfensters zu RB. Bis jetzt merkt man ihm die - durch wenig Training in den englischen Wochen bedingte - fehlende Einbindung ins Team und in die Abläufe auf dem Feld an. Im letzten Hinrundenspiel gegen Union Berlin stand er nach längerer Zeit wieder 90 Minuten auf dem Platz und wurde danach von Nagelsmann für seine stark verbesserte Leistung öffentlich gelobt. Abschreiben sollte man den norwegischen Nationalspieler also sicher noch nicht. Der vor kurzem aus Salzburg verpflichtete Dominik Szoboszlai setzt diese Reihe an bisher wenig erfolgreichen Neuzugängen gleich mal nahtlos fort und kam mit einer wohl schon seit längerem vorhandenen Adduktorenverletzung nach Leipzig.  Die Verantwortlichen rechnen erst im Laufe des Februars mit einem Einstieg ins Mannschaftstraining.

  • Baustellen im Kader

Mit den Abgängen von Timo Werner (Chelsea) und Patrik Schick (Leverkusen) verlor RB sage und schreibe 38 der 81 Bundesligatore der Vorsaison. Der Plan, diese Lücke im Kollektiv der offensiven Mittelfeldspieler aufzufangen, ging bisher nur bedingt auf. Forsberg (4), Sabitzer (3) sowie Olmo und Nkunku (jeweils 2) ergaben zusammen nicht mal einen halben Timo Werner. Dazu kommt die Torflaute bei den etatmäßigen Stürmern Poulsen (4), Sörloth und Kluivert (jeweils 1) sowie Hwang (0). Mit insgesamt nur 29 Treffern liegt RB auf Platz 9 aller Bundesligateams. Dazu beigetragen hat auch die miese Chancenverwertung. Nur acht Prozent der 360 Torschüsse führten zu einem Treffer. Zum Vergleich: Die Bayern machten aus 355 Torschüssen sage und schreibe 20 Tore mehr (49)!  

Im defensiven Mittelfeld wird seit dem Saisonbeginn schmerzlich Dauerläufer und Balljäger Konrad Laimer vermisst, bei dem nicht klar ist, ob er in dieser Saison überhaupt noch zum Einsatz kommen wird. Der endlich im Team angekommene Haidara und – mit größeren Abstrichen Adams – füllen die Lücke aber weitgehend auf.  Darüber hinaus gibt es keine wirklichen Baustellen, da der RB-Kader auf fast allen Positionen sehr gut doppelt besetzt ist. Das zeigte sich in der Hinrunde vor allem im Defensivbereich. Trotz mehrerer, teilweise längerer Verletzungen von Halstenberg, Klostermann, Henirchs, Orban und Upamecano stellte Leipzig mit nur 14 Gegentoren (Davon allein 6 gegen Bayern und den BVB) die beste Abwehr der Bundesliga. Für das kommende Transferfenster im Sommer ist RB mit der Verpflichtung von Josko Gvardiol als Ersatz für den erwarteten Abgang von Upamecano bereits in Vorleistung gegangen. Zusammen mit möglichen Kaufoptionen für die ausgeliehenen Angelinio, Henrichs und Kluivert dürfte das Transferbudget ohne weitere Abgänge weitgehend ausgeschöpft sein.

  • Wie steht’s um den Verein?

Laut Geschäftsführer Oliver Mintzlaff verzeichnet RB durch Corona Mindereinnahmen von rund 60 Millionen Euro für die vergangene und die aktuelle Saison. Angesichts eines aktuellen Jahresumsatzes von geschätzt 300 bis 350 Millionen EUR (2018/19: 270 Mio. Euro) und des finanziellen Backgrounds durch Red Bull sicher ein schmerzhafter aber nicht existentieller Verlust.

Positiv wirken sich dagegen die Corona-Geisterspiele auf das Tempo für den seit 2019 laufenden Stadionumbau aus. Rund 60 Millionen Euro investiert Red Bull über eine eigene Betreibergesellschaft in die Modernisierung und den Ausbau der 2005 eröffneten WM-Arena. So werden Fanblock und Gästeblock in Stehplatzbereiche umgebaut, wodurch die Kapazität auf insgesamt 48.000 Plätze steigt. Darüber hinaus wird ein neuer, ebenerdiger Zugang ins Stadion geschaffen, die Sanitär- und Gastrobereiche modernisiert und eine gläserne Schallschutzwand installiert. Und auch die bei vielen Fans unbeliebte grünblaue Schwimmbad-Optik verschwindet dank der neuen, roten Bestuhlung.


VfB Stuttgart

  • Saisonziel

Das Saisonziel Klassenerhalt ist so gut wie sicher. Man hat nach 17 Spieltage schon 22 Punkte gesammelt und somit sind die magischen 40 Punkte in Reichweite. Es muss einiges in der Schwabenmetropole schief laufen, damit man noch in ernsthafte Abstiegsnöte gerät. Zudem gelang es dem Sportdirektor Mislintat die Mannschaft über die letzten Jahre bei gleichzeitiger Leistungssteigerung zu verjüngen, dazu wird zudem ein sehr ansehnlicher Fußball gespielt. Das einzige Makel der bisherigen Saison ist die Heimschwäche. Zwar ist man auswärts weiterhin einer der besten Mannschaften der Bundesliga, zuhause bisher aber noch ohne Sieg.

Auch im Pokal steht man noch im Soll. Nach zwei Siegen gegen Rostock und Freiburg erwartet man Borussia Mönchengladbach zum Achtelfinale im heimischen Neckarstadion.

  • Die Tops im Kader

Wo soll man anfangen? So gut wie jeder Spieler hat sich bewiesen. Sei es der wechselwillige Nicolas Gonzalez, der oft kritisierte Sportsfreund Sosa oder der letztjährige Oberligakicker Tanguy Coulibaly – die Spieler haben sich alle deutlich gesteigert.

Besonders hervorheben muss man aber Wataru Endo. Der japanische Mittelfeldspieler ist gar nicht mehr wegzudenken aus der Startelf. Er gilt als einer der zweikampfstärksten und passsichersten Spieler der Bundesliga und schafft es das ein oder andere Mal sich durch drei Spieler gleichzeitig durchzudribbeln. Er ist pressingresistent und für seine 1,87m Größe ist er zudem sehr kopfballstark.

  • Die Flops im Kader

Wenn es einen Flop im Kader gibt, dann ist es wohl oder übel Marcin Kaminski. Der Innenverteidiger war letztes Jahr an dem Absteiger Düsseldorf ausgeliehen und sollte eine wichtige Rolle in der Verteidigung annehmen, er konnte sich aber nicht gegen die starke Konkurrenz in der Abwehr durchsetzen und gilt als wahrscheinlicher Abgang in der kommenden Wintertransferperiode.

Auch Atakan Karazor muss sich der starken Konkurrenz beugen. Der 24 - jährige Sechser, der auch in der Innenverteidigung aushelfen kann, kam eher sporadisch zum Einsatz und konnte sich zudem nicht für mehr Spielzeit beweisen.

  • Baustellen im Kader

Auf manchen Positionen fehlt es an Tiefe im Kader. Sollten Mangala und/oder Endo ausfallen, gäbe es nur Perspektivspieler die ihre Position eins zu eins ersetzen können. Ansonsten gibt es kein dringenden Bedarf im Kader und eine Wintertransferperiode ohne Neuzugang würde nur sehr wenige fragende Gesichter zurücklassen.

  • Wie steht’s um den Verein?

Noch immer herrscht ein Machtkampf in den Reihen der Vereinsführung. Hitzlsperger, der Vorstandsvorsitzende der VfB Stuttgart AG überraschte Fans und Mitglieder mit seiner Bewerbung als Präsident vom VfB Stuttgart e.V.. Gleichzeitg warf er dem aktuellen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Vogt mit einem offenen Brief den Federhandschuh hin. Der Beschuldigt lies sich das nicht gefallen und antwortete ebenfalls mit einen offenen Brief.

Hintergrund des Streites ist die Aufklärung des Datenskandals. Im Rahmen der Ausgliederungskampagne aus dem Jahr 2017 wird der damaligen VfB – Führung vorgeworfen Mitgliederdaten für eine Guerilla-Marketingkampagne missbraucht zu haben. Claus Vogt, der eine externe Anwaltskanzlei für die Aufklärung beauftragte, möchte die Sache aufklären während Thomas Hitzlsperger vorwirft die Kosten für Kanzlei seien unverhältnismäßig und würden den Verein an dem Rand einer Insolvenz führen.

Die Stuttgarter Zeitung wiederum berichtet, die Aufklärung des Datenskandals hätte laut bericht der Anwaltskanzlei innerhalb eines Nachmittags aufgelöst werden sollen, aber ihnen wurde von VfB-Mitarbeiter*innen und – Vorstand, darunter auch Hitzlsperger, Steine in den Weg gelegt.

Ob die beiden Steithähne überhaupt zur Präsidentenwahl am 18.03. antreten werden, ist noch unklar. Der Vereinsbeirat, der zwei Kandidat*innen nominieren soll, vermied es bis heute sich auf zwei Kandidaten festzulegen. Im Gegenteil, sie beauftragten einen Personaldienstleister um weiter Kandidat*innen zu finden, die der Vereinsbeirat dann in Betracht ziehen kann. Zurzeit befinden sich neben Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger nur ein weiterer Bewerber: Volker Zeh, aktueller Präsident des HC Kitzbühel galt als einer der ersten Bewerber auf das Amt, ihm werden aber nur geringe Chancen eingeräumt.


Eintracht Frankfurt

  • Saisonziel

Mit 27 Punkten steht Eintracht Frankfurt nach der Hinrunde auf Platz 8 der Tabelle. Es zeichnet sich ein positiver Trend ab. Auch wenn sich die Frankfurter mit vielen Unentschieden schwertaten, in die Saison zu finden, entwickelten sie über die Hinrunde hinweg eine Spielidee und fanden mehr Freude am eigenen Spiel. Das spiegelt sich auch in der zuletzt starken Punkteausbeute wider. Seit der letzten Niederlage am 11. Dezember gegen Wolfsburg spielte die Eintracht nur noch zwei Mal unentschieden. Aus den restlichen Begegnungen ging sie siegreich hervor. 

Nachdem die SGE ihre Büffelherde um Haller, Rebic und Rückkehrer Jovic gehen lassen musste, sowie der Abgang im Winter von Abraham bereits feststand, galt diese Saison als eine Art Übergangssaison. Mit einem einstelligen Tabellenplatz wäre man in Frankfurt sicherlich zufrieden - doch wenn sich die Chance ergibt, schielt man natürlich gerne in Richtung Europa. 

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt der Saison der Fall: Die SGE befindet sich derzeit nur zwei Punkte hinter Platz 4, ist gut in Form und hat sich einen starken Kader zusammengestellt. Dazu kommt, dass auch die Konkurrenz auf den europäischen Plätzen Punkte liegen lässt. Sollte die Eintracht weiterhin vom Verletzungspech verschont bleiben, das Leistungshoch aufrechterhalten können und das nötige Glück auf ihrer Seite haben, ist es durchaus möglich, sich in der Rückrunde einen Europa-League-Platz zu sichern. Das wäre nicht nur eine finanzielle Entlastung, sondern auch wichtig mit Blick auf Spieler im Kader, deren Anspruch es ist, europäisch zu spielen. 

  • Die Tops im Kader

Als Top ist allem voran das goldene Händchen von Fredi Bobic in Sachen Transfers zu nennen. Er schaffte es in jüngerer Vergangenheit Kaliber wie André Silva oder auch Amin Younes von der Eintracht zu überzeugen. Trotz finanziell stark begrenzter Möglichkeiten gelang es ihm den bei Real unglücklichen Luka Jovic leihweise zurück an den Main zu holen. Besonders beeindruckend: Real Madrid übernimmt weiterhin einen Großteil des Gehalts, die Eintracht zahlt Jovic nur 2 Millionen Gehalt, während Abgang Bas Dost 4 Millionen verdiente. 

Außerdem wurde der Kader still und leise verjüngt: Wo vorher der 31-jährige Dost stürmte, läuft nun der 23 Jahre alte Jovic auf. Den 34-jährigen Abraham ersetzt Tuta mit seinen 21 Jahren. Im Mittelfeld spielt auch Eigengewächs Barkok (22) eine zunehmend wichtigere Rolle. Außerdem wurden junge Talente wie zum Beispiel Ache (22) verpflichtet. 

Auf dem Platz sind vor allem André Silva und Amin Younes hervorzuheben. Silva ist besonders vom Elfmeterpunkt eiskalt und teilt sich mit 12 Saisontoren mit Haaland und Weghorst hinter Lewandowski Platz 2 in der Torschützenliste der Bundesliga. Younes hebt das Niveau im offensiven Mittelfeld deutlich an. Seit seiner Ankunft in Frankfurt ist ein deutlicher Qualitätsanstieg zu erkennen. Nicht nur hat die Leihgabe vom SSC Neapel clevere Ideen, er weiß diese auch technisch exzellent umzusetzen und entdeckt langsam auch seinen Torriecher – ein absoluter Glücksgriff. 

Den nächsten Schritt gegangen sind vor allem Abwehrtalent Evan N’Dicka, dem nach Abrahams Abschied ein Stammplatz in der Innenverteidigung winkt, und Mittelfeldakteur Djibril Sow. Nachdem Sow in der Vergangenheit Probleme hatte, seine Leistung abzurufen, blüht er in den letzten Wochen auf. Er hat ein gutes Auge für freie Räume und weiß, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Langsam ruft der 23-jährige Schweizer das ab, was man sich von ihm erhoffte und ist der intelligente Verbindungsspieler, der der Eintracht bislang in dieser Form fehlte. 

  • Die Flops im Kader

Viele Flops sind aufgrund der guten Transferpolitik nicht zu nennen. Mit Blick auf die vergleichsweise hohe Ablösesumme (8,5 Millionen Euro) lässt sich am ehesten Dominik Kohr nennen. Der defensive Mittelfeldmann schaffte es nicht, sich einen Stammplatz zu erkämpfen und wurde zuletzt zu den vom Abstieg bedrohten Mainzern verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Auch Danny da Costa wechselt auf Leihbasis zu den 05ern. Zuletzt spielte er keine Rolle mehr in den Überlegungen von Coach Hütter, pendelte zwischen Bank und Tribüne. 

  • Baustellen im Kader

Dringende Baustellen im Kader, die möglichst noch im Winter behoben werden sollten, gibt es bei Eintracht Frankfurt derzeit nicht. Da die SGE nicht europäisch spielt und auch aus dem DFB-Pokal bereits ausgeschieden ist, ist der Kader für die aktuelle Situation breit genug. Das Problem im Sturm wurde mit der Rückholaktion von Luka Jovic gelöst.

Eher dünn besetzt ist die Eintracht in der Innenverteidigung. Nachdem David Abraham seine Karriere beendete, komplettiert der junge Brasilianer Tuta die Abwehrreihe neben Hinteregger und N‘Dicka. Im Falle einer Verletzung könnte Routinier Hasebe, der zuletzt auf der Sechs spielte, zurück in die Innenverteidigung rücken, ohne dass größere Sorgen um einen Leistungsabfall bestehen. Dahinter wird es eng, doch im Fall der Fälle können Ilsanker oder Touré ebenfalls als Innenverteidiger agieren. 

Außerdem hat die Eintracht für die rechte Flügelposition immer noch kein richtiges Gegenstück zu Filip Kostic. Durm füllte die Position zuletzt zwar solide aus, spielt aber nicht auf dem Niveau des Serben. Als offensive Option auf der rechten Seite kommt außerdem Barkok infrage.

  • Wie steht’s um den Verein?

Wie viele andere Vereine hat auch Eintracht Frankfurt mit den finanziellen Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. Bobic erklärte zuletzt, dass Zugänge nur möglich seien, wenn im Gegenzug Spieler den Verein verlassen würden. Bisher funktioniert das aber sehr gut, Bobic dünnt den Kader aus und verstärkt ihn punktuell – u.a. mit qualitativen Hochkarätern wie Jovic. 

Trotz schwieriger Zeiten ist die Gesamtentwicklung der SGE weiterhin positiv. Im Verein ist es angenehm ruhig und auch im Umfeld herrscht Zufriedenheit.

Umso mehr schmerzt es, dass die Fans ihren Verein wegen der Pandemie nicht vor Ort auf diesem Weg unterstützen können. Die Eintracht leidet nicht nur finanziell, sondern auch emotional unter der Abwesenheit der Fans, die die Mannschaft in der Vergangenheit oft über die Leistungsgrenze hinweg pushen konnten und so zu Höchstleistungen anspornten. Die besondere Symbiose zwischen Fans und Mannschaft wurde in den letzten Jahren auch für Außenstehende deutlich und fehlt derzeit sehr.  


Bayer Leverkusen

  • Saisonziel

In den Pokalwettbewerben ist die Mannschaft von Peter Bosz noch vertreten, in der Bundesliga steht man nach einer insgesamt guten Hinrunde mit 32 Punkten auf einem der ersten vier Plätze, womit man am Ende der Spielzeit auch das Ziel erreichen würde, sich für die Champions League zu qualifizieren. Dafür müsste die Punkteausbeute aus der Hinrunde nochmal wiederholt werden. Unwahrscheinlich ist das deshalb nicht, weil in der Hinrunde so viele Spieler verletzungsbedingt oder infiziert fehlten, dass sich zumindest dieser Umstand in der zweiten Hälfte entspannen dürfte. Und auch auf dem Transfermarkt war der Verein nochmal aktiv. Ein Selbstläufer wird es aber auch nicht, dafür traten zu viele Schwächen ans Licht, insbesondere das Erspielen von Chancen aus dem eigenen Ballbesitz heraus gegen tiefstehende Mannschaften.

  • Die Tops im Kader

Ich finde, dass Leverkusen nicht übermäßig abhängig von einen einzelnen Spielern ist, was auch ein Erfolgsgarant ist. Nichtsdestotrotz wurde zuletzt viel über Wirtz und sein Fehlen gesprochen, einfach weil er sich so stark entwickelte, dass Bayer 04 immer abhängiger vom 17-Jährigen wurde. Aber es fielen auch andere besonders positiv auf: Baumgartlinger spielte die wohl beste Saison seiner bisherigen Karriere, Amiri machte Leistungssprünge, die ich ihm offen gesagt nicht zugetraut hätte und auch Bailey stabilisierte sich wieder nach einer dann doch sehr enttäuschenden Vorsaison.

  • Die Flops im Kader

Spieler wie Jedvaj oder Weiser, die man gerne auch im letzten Sommer schon abgegeben hätte und von denen man folglich auch nicht erwartete, dass sie im Saisonverlauf noch eine gewichtigere Rolle spielen würden, taten dies auch nicht. Enttäuschend waren zudem nach wie vor auch noch die Auftritte von Demirbay, denn im Gegensatz zu den zuvor Genannten erwartet man von ihm eine derartige Entwicklung. Wenngleich mittlerweile aus dem Erwarten eher ein Hoffen geworden ist. Es gab zwar vereinzelte überzeugende Spiele, dieses Niveau konnte aber nie länger als eben maximal 90 Minuten gehalten werden.

  • Baustellen im Kader

Im Kader fehlt eindeutig ein Flügelspieler. Wahrscheinlich wären drei Flügelspieler für jeden Bundesligaverein zu wenig, wenn man allerdings in drei Wettbewerben gleichzeitig spielt, gilt das ganz besonders. Mit steigender Belastung merkte man diesen Umstand auch zunehmend mehr, insbesondere nun nach der Verletzung von Karim Bellarabi. Diesbezüglich muss etwas schnell geschehen, es reicht nicht, auf Paulinho zu hoffen, der irgendwann seinen Kreuzbandriss mal auskuriert hat.

  • Wie steht’s um den Verein?

Sehr ruhig. Nun mögen manche sagen, dass dies der Normalzustand in Leverkusen ist, womit sie Recht hätten, aber gerade ist es nochmal besonders ruhig. Neben dem Platz dominieren keine besonderen Themen, im Jugendbereich gab es ein paar Umstrukturierungen, es ist eine Kooperation mit dem 2023 startenden Franchise St. Louis City aus den USA geplant, aber das sind alles keine Themen, die für Außenstehende besonders spannend sind.


SC Freiburg

  • Saisonziel

Bei Saisonzielen ist der SC Freiburg bekanntlich ein sehr konservativer Verein, was angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen der Liga auch verständlich ist. Doch während die Verantwortlichen nach den Abgängen von Luca Waldschmidt und Robin Koch brav versicherten, dass das einzige Ziel in Freiburg der Klassenerhalt sein müsse, konnte man Spielern wie Nils Petersen zumindest entlocken, dass ein Platz im gesicherten Mittelfeld mit diesem Kader realistisch sein sollte – während manche Fans nach dem Transfer von Baptiste Santamaria sogar von europäischen Plätzen träumten.

Nach der Hinrunde trifft „gesichertes Mittelfeld“ den gegenwärtigen Stand am besten, daher kann man im Breisgau sehr zufrieden auf die letzten Monate zurückschauen. Nach zehn Spieltagen stand der SC mit acht Punkten und neun sieglosen Spielen in Folge noch mitten im Abstiegskampf, bevor man sich mit fünf Siegen in Serie eindrucksvoll aus dem Tabellenkeller befreien konnte und nun mit 24 Punkten auf Platz 9 der Tabelle zumindest Europa deutlich näher ist als dem Relegationsplatz. Falls man aus dem harten Auftaktprogramm in der Rückrunde etwas mehr Punkte holt als zu Beginn der Saison, wird der Sport-Club bald keinen Gedanken mehr an den Abstiegskampf verschwenden müssen. Und das Träumen bleibt erlaubt.

  • Die Tops im Kader

Das Gesicht der Freiburger Siegesserie war sicherlich Vincenzo Grifo. Seit dem Spiel gegen Augsburg spielte er sich mehr und mehr in den Vordergrund, war zeitweise an fast allen Freiburger Toren direkt oder indirekt beteiligt und seine mittlerweile 11 Scorerpunkt sind der Spitzenwert der Mannschaft. Als sicherer Elfmeterschütze machte er ebenso eine gute Figur wie als sympathischer und gesprächiger Gast beim Spodcast Freiburg.

Im zentralen Mittelfeld drückt Rekordtransfer Baptiste Santamaria dem Freiburger Spiel immer stärker seinen Stempel auf, wo er nach anfänglichen Abstimmungsschwierigkeiten mit Nebenspieler Nicolas Höfler mittlerweile sehr gut harmoniert und mit großer Cleverness und Übersicht das Freiburger Spiel strukturiert. Rechts neben ihm spielt Roland Sallai eine sehr gute Saison, der sich in seinem dritten Jahr in Freiburg endlich festgespielt und im Freiburger Kader wohl den größten Entwicklungsschritt gemacht hat. Auch Neuzugang Ermedin Demirovic konnte sich in den letzten Wochen als Startelfkandidat im Sturm präsentieren, wo er neben den für Christian Streich essentiellen Stärken gegen den Ball auch mit seiner Balltechnik und Übersicht überzeugen konnte und so bereits sechs Assists auf dem Konto gesammelt hat.

  • Die Flops im Kader

Große Flops im Kader finden sich diese Saison kaum. Am enttäuschendsten dürfte die Saison für Guus Til verlaufen, der mit viel Vorschusslorbeeren von Spartak Moskau nach Freiburg verliehen wurde, hier aber bisher erst auf zwei Kurzeinsätze von insgesamt neun Minuten kommt. Leicht enttäuschend ist auch die Entwicklung der drei jungen zentralen Mittelfeldspieler Boukhalfa, Keitel und Tempelmann, von denen man sich ein hartes Duell um die wenigen Plätze im Mittelfeld erwartete. Diese Ansprüche hat diese Saison noch niemand der drei geltend machen können, obwohl der etablierte Nicolas Höfler einen brutalen Start in die Saison erwischte. Der erfahrene Mittelfeldspieler verschuldete mehrere ärgerliche Gegentore, spielt nach einer sehr kurzen Pause aber mittlerweile wieder in gewohnter oder sogar besserer Form als zuvor.

Ansonsten ist wohl als Leidtragender der Systemumstellung auf Dreierkette der vorherige Stammspieler Dominique Heintz zu nennen, der die Freiburger Erfolgsserie von dort an größtenteils von der Bank anschauen musste.

  • Baustellen im Kader

Der recht erfolglose Start in die Saison war vor allem den enorm vielen Gegentoren und der generellen Instabilität der Verteidigung geschuldet. Hier machte sich das Fehlen von Robin Koch enorm bemerkbar. Seit der Umstellung auf eine Dreierkette kann dies aber deutlich besser kompensiert werden, so dass aktuell keine besonders dringlichen Baustellen erkennbar sind. Im Tor vertritt der ausgeliehene Florian Müller weiter Mark Flekken, der nach zwei Jahren in Wartestellung endlich die Nummer 1 wurde und sich prompt schwer verletzte. Zwar leistete sich Müller einige Unsicherheiten, konnte in den letzten Wochen aber auch mit mehreren großartigen Paraden dafür werben, seinen Platz im Tor nicht zu schnell zu verlieren. Es wird interessant, wie das Trainerteam die Rückkehr von Mark Flekken handhaben wird.

  • Wie steht’s um den Verein?

Der SC Freiburg steht insgesamt gut da und scheint sich in der Bundesliga langsam in Regionen vorzuschieben, wo ein Klassenerhalt nicht mehr jede Saison als Überraschung gewertet werden muss. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen wird der Sport-Club von der Pandemie weniger stark getroffen, da man mit dem verhältnismäßig kleinen Dreisamstadion weniger Einnahmen generiert als ein großer Teil der Konkurrenz und traditionell ohnehin so kalkuliert, dass Einbrüche in den Einnahmen etwa durch Abstiege dem Verein nicht die finanzielle Grundlage entziehen. Mit den Sportdirektoren Klemens Hartenbach und Jochen Saier haben auch zwei Garanten des jüngeren Freiburger Erfolgs kürzlich ihren Vertrag verlängert. Wie lange Christian Streich noch genau Vertrag hat, ist unklar, spielt aber letztlich keine Rolle – er wird aller Voraussicht nach so lange Freiburger Trainer sein, bis er es selbst nicht mehr sein möchte.

In der Zwischenzeit wurde das neue Stadion in Freiburg quasi fertiggestellt. Ein Umzug ins neue Stadion ohne gemeinsamen Abschied vom Dreisamstadion könnte man seinen Fans aber eigentlich nicht antun. Zudem steht die rechtliche Entscheidung, zu welchen Zeiten denn das neue Stadion denn nun genutzt werden darf, immer noch nicht fest. Dies macht es bisher schwierig, ein klares Einzugsdatum für das neue Stadion zu finden. Es ist aber davon auszugehen, dass spätestens zur neuen Saison der Ball im noch unbenannten neuen Wohnzimmer des SC Freiburg rollen wird.


VfL Wolfsburg

  • Saisonziel

Der VfL Wolfsburg ist nach der Hinrunde voll im Soll. Ziel ist nach wie vor das internationale Geschäft. Mit einer ähnlichen Leistung wie in den ersten 17 Spielen sollte das auf alle Fälle drin sein. Wichtiger aber ist, wie sich die Mannschaft insgesamt präsentiert und nicht von ihrem Weg abbringen lässt - weder durch das frühe Ausscheiden im Europapokal noch durch Querelen rund um Trainer Oliver Glasner im Herbst, als es um die Transferpolitik im Verein ging. Das zeigt, dass nach der Relegation (ist keine drei Jahre her), die Ziele der sportlichen Führung aufgegangen sind: der VfL ist stabil und hat wieder einen schlagkräftigen Kader mit dem zu rechnen ist. Ob es schon für die Champions League reicht, wird man sehen, aber nach nur zwei Niederlagen in der Hinrunde (Bayern und Dortmund, und selbst die waren eher unglücklich) und jeder Menge Punkten auch nach Rückständen mit viel Mentalität und Comeback-Qualitäten, ist die CL nicht unrealistisch. Hier möchte man perspektivisch auch wieder hin, sie ist aber in diesem Jahr kein Muss. 

  • Die Tops im Kader

Herauszuheben ist die hervorragende Transferpolitik bislang. Alle Neuzugänge haben bislang überzeugt: Mit Lacroix und Baku wurden zwei echte Verstärkungen verpflichtet. Aber auch der junge Bialek wusste bisher zu überzeugen. Nur bei Maximilian Philipp ist noch Luft nach oben, hier muss der Offensivmann in der Rückrunde gerade im spielerischen Bereich noch mehr das zeigen, wofür er geholt wurde. Ansonsten hat der VfL wieder eine starke Achse: Casteels im Tor gehört zu den besten der Liga. Maximilian Arnold spielt vielleicht seine beste Saison im Wölfe-Trikot und ist wegen seiner Spielübersicht nicht wegzudenken. Und vorn im Sturm hat Wout Weghorst gerade mit 12 Hinrunden-Toren einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Hinzu kommen ein unermüdlicher Xaver Schlager und das „Kopfballmonster“ Renato Steffen (1,70 Meter), die zum Stamm gehören. Außerdem gab es gerade zum Ende der Hinrunde einige positive Überraschungen, wie Yannick Gerhardt oder auch Paulo Otavio, der eigentlich nur als Ergänzung für die linke Seite geholt wurde, aber dort inzwischen fast unumstritten ist. 

  • Die Flops im Kader

Die Leistung des VfL ist vor allem durch die Geschlossenheit zu erklären. Entsprechend kann man eigentlich nicht von Flops im Kader sprechen. Selbst ein auf dem Abstellgleis stehender Jeffrey Bruma zeigte vor Weihnachten, dass man sich auf ihn verlassen kann, sollte er zum Einsatz kommen. Dennoch spielen er und auch Yunus Malli in den Planungen des Vereins keine Rolle mehr - dies allerdings auch schon länger. Ein Felix Klaus wurde verliehen, da sportlich auch von ihm zu wenig Impulse kamen. Durch Verletzungen sind auch Admir Mehmedi und Daniel Ginczek weit unter ihren Möglichkeiten geblieben bisher. Sogar ein regelmäßig spielender Josip Brekalo überzeugte in der Hinrunde nur selten. Hier warten Verein und Fans bei seinen Anlagen schon länger auf den richtigen Durchbruch. Aber von einem echten Flop kann auch hier nicht die Rede sein - vor allem nicht im Vergleich mit dem Wolfsburg der Vorjahre.

  • Baustellen im Kader

Im Mittelfeld gibt es ein Luxusproblem für Oliver Glasner: Hier ist im Moment kein Platz mehr für Kapitän Joshua Guilavogui, der als Typ aber unwahrscheinlich wichtig für die Mannschaft ist. Zurzeit erträgt er seine Ersatzspielerrolle geduldig, doch könnte es hier vielleicht zu internen Problemen kommen. Allerdings sind Schlager und Arnold auch von der Leistung her unumstritten. Im Grunde hat der VfL aber zwei Baustellen. Die Erste: Was ist, wenn sich Wout Weghorst verletzt oder doch noch ein Top-Angebot aus der Premiere League reinflattert? Hier gibt es keinen passenden Ersatz bislang. Die Zweite: Von der Bank kommt im Grunde zu wenig, trotz nominell guter Besetzung. Erst zwei Jokertore (beide Bialek) sprechen eine deutliche Sprache. Weder Victor, noch Mehmedi, noch Ginczek oder vormals Klaus konnten sich offensiv vielversprechend zeigen oder richtige Impulse geben. Allerdings wechselt Trainer Glasner auch häufig relativ spät, so dass den neuen Leuten wenig Zeit bleibt - vielleicht sind die wenigen Impulse von der Bank aber auch genau der Grund, warum er so spät wechselt. Unterm Strich schießt der VfL aber für ein Top-Team deutlich zu wenig Tore insgesamt. Die Folge: zu viele Unentschieden für den Sprung nach ganz oben in der Liga.

  • Wie steht’s um den Verein?

Sportlich kann man beim VfL Wolfsburg mit der aktuellen Situation sehr zufrieden sein. Vor allem Zuhause in der Volkswagen Arena ist man wieder eine Macht. Hier ist man bislang ungeschlagen in dieser Spielzeit. Anders sieht es mit der Situation rund um den Club aus. Schon vor Corona hatte Jörg Schmadtke trotz passabler Platzierungen eine „mangelnde Euphorie“ in der Anhängerschaft und rund um den Club ausgemacht. Dies hat sich in der Pandemie durch die fehlenden Zuschauer und emotionale Distanz noch einmal verstärkt. Identifikation und Engagement sind rund um den VfL ein Dauerthema geworden. Hier wird spannend zu sehen sein, wie sich das ganze auch nach Corona entwickelt und wie vor allem die Fanbase reagiert. Die Mannschaft tut mit ihren Leistungen jedenfalls alles dafür, um für positive Schlagzeilen rund um den VfL zu sorgen. Trotzdem scheint es häufig eine latente Unzufriedenheit im Umfeld zu geben. Vor allem Schmadtke selbst aber auch Oliver Glasner stehen häufig schnell in der Kritik bei den Fans - teilweise schon wegen Kleinigkeiten. Die Gründe dafür sind kaum zu beziffern. Denn die Ergebnisse und die inzwischen auch offensiv stark verbesserte Spielweise sprechen eigentlich im positiven Sinne für sich. Die Hoffnung bleibt, dass sich das irgendwann auch auf die Stimmung niederschlägt.