Zwischen europäischer Freude und Abschied nehmen

Die letzte Newsletter-Ausgabe für die aktuelle Saison mit unserem großen Saisonfazit. Wir lesen uns Mitte Juli wieder!

FC Bayern München

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel:

Das letzte Bundesligaspiel dieser Saison stand vergangene Woche an, im schönsten Format, das die Liga zu bieten hat, die 9er Konferenz.

Wie so häufig in den letzten Jahren war das letzte Spiel zumindest offensiv recht sehenswert. Mit 5:2 schlug man den FC Augsburg. Bei fünf Toren wundert es, dass es nun doch bis zur 90. Minute dauerte, bis Lewandowski den Ball über die Linie murmelte und somit alle Diskussionen beendete. Insgesamt war es ein recht munteres auf und ab. Ein paar schöne Treffer, ein gehaltener Elfmeter von Manuel Neuer und zumindest 250 Zuschauer auf der Tribüne.

Die Geste von Schiedsrichter Markus Schmidt zeigt, wie sehr selbst diejenigen, die sich Woche für Woche übelsten Beschimpfungen ausgesetzt sehen, die Fans in den Stadien vermissen.

Ansonsten stand das Spiel ganz im Zeichen des Abschieds einiger der prägendsten Figuren im Verein der näheren Vergangenheit.

Saisonfazit:

Hier wird es ein wenig schwierig, nicht arrogant zu wirken, aber diese Saison war meines Erachtens nach sehr „Enttäuschend“. Die Meisterschaft war am Ende der einzige Titel, und es wäre vermessen jedes Jahr 1-3 Titel zu fordern, andere Mannschaften leisten schließlich auch gute Arbeit. Dennoch hat man mit dem frühen Pokal Aus und dem CL Aus die Zielsetzung doch verfehlt.

Dennoch kann ich persönlich abgesehen von der Meisterschaft wenig Erfreuliches aus dieser Saison ziehen und dafür gibt es mehrere Punkte:

  1. Dauerhafte Unruhe aufgrund von Verträgen, Gehältern, Transfers im Verein.

  1. Ein von Anfang an ersichtlich zu dünn besetzter Kader, nicht umsonst steht City im CL Finale à daraus folgt eine schwache Transferpolitik.

  1. Anderweitige Skandale. Neben dem Platz hat sich der FC Bayern dieses Jahr auch von seiner schlimmsten Seite gezeigt. Was letztes Jahr mit Hopp begann, ging über in das alljährliche Qatar Thema, nur um mit einem hauseigenem Rassismus- und Mobbingskandal zu enden, der zu allem Überfluss so gut wie kaum aufgearbeitet wurde.

  1. Der Abstieg der Amateure. Niemand, schien sich 36 Spieltage lang für die Amas zu interessieren und danach war es zu spät.

Einen Höhepunkt der Saison kann ich selbst eigentlich nicht festmachen, die Saison ohne Fans hat zu sehr abgestumpft, um sich groß über einzelne Siege zu freuen. Vielleicht der Siegtreffer von Javi Martinez im Supercup gegen Sevilla, einfach weil er so ein feiner Typ ist.

Der Tiefpunkt war wahrscheinlich das desolate Ausscheiden im Pokal gegen Kiel. Ein Spiel, das man auf so viele Arten nicht hätte verlieren dürfen, aber so geht halt Fußball.

Spieler Tops & Flops:

Tops:

Lewandowski und Müller stehen außer Frage, beide spielten eine unglaubliche Saison. Goretzka, Kimmich, Neuer waren auch unantastbare Stützen der Saison. Mit einem dritten Mittelfeldspieler wären Kimmich und Goretzka mit Sicherheit auch nicht so viel ausgefallen.

Gewinner der Saison waren vor allem Lucas Hernandez und Jamal Musiala. Beide zeigten mehrfach, dass sie hier in den nächsten Jahren groß aufspielen können.

Honorable Mention: Choupo Moting. Wenn er auf dem Feld war ein guter Backup und neben dem Feld ein Sympathieträger.

Flops:

Leroy Sane kann am Ende der Saison durchaus als Flop angesehen werde, allerdings mit viel Potential und der berechtigten Hoffnung, dass das nur ein Ausrutscher war. Douglas Costa kam mit dem Versprechen, alles anders zu machen als beim letzten Mal, nur um alles genauso zu machen und nun sang und Klanglos wieder zu gehen. Generell hatten die Flügel dieses Jahr alle recht wenig zu lachen.

Verlierer der Saison sind vermutlich Benjamin Pavard und Niklas Süle, wobei sich zweiterer des Öfteren nicht mit Ruhm bekleckern konnte, abgesehen von einem Dribbling. Auf RV wird mit Sicherheit noch was gemacht werden für die kommende Saison.

Blick in die Glaskugel: Verabschiedet wurden so einige am Samstag. Neben David Alaba, für den man, wenn man schlau gewesen wäre sicher noch ordentlich Ablöse bekommen hätte verlassen Jerome Boateng, Javi Martinez, Douglas Costa, Tiago Dantas den Verein. Auch hier eine honorable Mention: Angelo Stiller verlässt die Amateure gen Hoffenheim, nach 10 Jahren im Verein.

Auch aus dem Trainerteam verlassen, wie soweit jedem bekannt, Hansi Flick, der Cheftrainer des DFB Teams wird auch Miroslav Klose, sowie der Tiger Hermann Gerland den Verein.

Zugänge sind natürlich der neue Headcoach Julian Nagelsmann plus Dayot Upamecano aus Leipzig. Aus Reading verpflichtete man außerdem Omar Richards (LV).

Desweiteren kommen stand jetzt Früchtl, Cuisance, Fein, Zirkzee, Richards und Mai von ihren jeweiligen Leihen zurück. Alle werden sie wahrscheinlich nicht in München bleiben.

Die Erwartungen werden hoch sein für Julian Nagelsmann, es bleibt spannend, wer erster Bayern Jäger der neuen Saison wird. Vielleicht wird es die Saison der Kleinen. Die Spieler der „großen“ tanzen seit zwei Saisons auf allen Hochzeiten inklusive Nationalmannschaften und die EM wird da sicher auch noch ein Wörtchen mitzureden haben.


Borussia Dortmund

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Der BVB hat nicht nur die wesentlichen Saisonziele erreicht, sondern lässt die Fans 2021 auch mit einem guten Gefühl aus der Spielzeit gehen: keine peinliche Pleite zum Abschluss, sondern ein ehrenwertes 3:1 gegen Leverkusen. Zur Startelf zählten einige Akteure, die zuvor selten zum Einsatz gekommen waren, darunter Reinier, Schulz und Julian Brandt. Für die Gäste ging es dank ihres fixen Tabellenplatzes zwar um noch weniger als für Schwarz-Gelb, sie mischten aber dennoch munter mit. Allerdings erst, als es bereits 1:0 für den BVB stand, durch Erling Haaland, vorbereitet von Reinier.

Der Rest der ersten Hälfte gehörte Leverkusen; die Borussen ließen sich zu tief fallen und kamen nicht mehr zu längeren Ballbesitzphasen. Das wurde nach der Pause und einem erneuten frühen Treffer durch Reus per Freistoß besser. Allerdings hatte auch Keeper Roman Bürki Anteil am Dortmunder Sieg, den der BVB in der Schlussphase klar machte. Wie in Mainz gab es einen Elfmeter gegen Schwarz-Gelb in der Nachspielzeit. Der machte Leverkusen zwar zum Expected Goals-Sieger (1,75-1,11), doch ohne ihn hätten die Gastgeber auch hier vorne gelegen.

Saisonfazit: Ende gut, alles gut für Borussia Dortmund? Das ist irgendwo richtig, greift aber andererseits zu kurz. Im Endspurt wird der BVB noch Dritter und holt sich den ersten richtigen Titel seit 2017, doch noch Anfang April sah es nach der Heimniederlage gegen Frankfurt ganz anders aus. Es brauchte auch unter Trainer Edin Terzic Geduld, um endlich die erhoffte Konstanz hinzubekommen. Der Pokalsieg gegen Leipzig war ein toller Erfolg, der schöne Erinnerungen erzeugte – etwa daran, wie seine Mannschaftskameraden Lukasz Piszczek feierten. Mit Fans wäre das alles natürlich noch viel schöner gewesen. Trotzdem war das Finale der naheliegende, aber eindeutige Höhepunkt der Saison.

Am Ende betrug der Rückstand auf den Meister FC Bayern 14 Punkte. Das ist natürlich zu viel und die Leistungen in der Liga kosteten im Dezember auch Lucien Favre den Job. Mit dem 1:5 im heimischen Westfalenstadion gegen den VfB Stuttgart war der Saisontiefpunkt erreicht, dem der Rauswurf des Trainers folgte. Allerdings waren die ersten Monate der Spielzeit keineswegs eine stete Abwärtsspirale – nur drei Wochen zuvor wähnte man den BVB nach einem 2:5-Erfolg in Berlin auf dem richtigen Weg. Es war neben dem Schock der hohen Pleite gegen den VfB vor allem der fehlende Glaube, dass Lucien Favre die ersehnte Stabilität würde herstellen können, die zur Trennung von ihm führte. Mit Edin Terzic erreichten die Schwarz-Gelben am Ende alle offiziellen Ziele – was jetzt nicht gegen Marco Rose verwendet werden sollte.

Spieler Tops & Flops: Über die Außenverteidiger-Positionen werden sich die BVB-Verantwortlichen in den kommenden Monaten Gedanken machen. Und das nicht nur, weil mit Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek zwei Außenverteidiger aufhören. Der für rechts hinten im Sommer 2020 von PSG geholte Thomas Meunier konnte die Erwartungen nicht erfüllen und kam zuletzt selten zum Zug. Meunier brachte nicht die Stabilität eines erfahrenen Nationalspielers. Zwar wirkte er entschlossen, leistete sich aber letztendlich zu viele Abspiel- und Positionsfehler. Auf links konnte sich Nico Schulz aus ähnlichen Gründen nicht als Alternative zum gesetzten Raphael Guerreiro präsentieren. Julian Brandt darf zwar nicht mit zur EM, aber sehr spät in der Saison gab es vom offensiven Mittelfeldspieler endlich ein paar Zeichen der Steigerung, so dass er am „Flop“-Urteil vorbeischrammt.

Auf der Haben-Seite steht zweifellos Jude Bellingham. Der noch 17-jährige Engländer hat sich im Mittelfeld etabliert und nur sein Timing beim Tackling fiel gelegentlich negativ auf. Was für ein sympathischer Junge für die Zukunft oder im Business-Jargon: ein echtes Asset. Spieler der Saison ist dennoch Erling Haaland. Eine einfache, aber logische Wahl: Ohne seine Tore hätte der BVB seine Ziele nicht erreicht und jemand anders hätte sie so nicht geschossen.

Blick in die Glaskugel: Eins steht fest: Marco Rose wird neuer Trainer beim BVB. Ob sein Vorgänger Edin Terzic dann wirklich wieder „Co“ wird oder doch eine Chef-Rolle anderswo anstrebt, scheint nach seinen jüngsten Äußerungen offen. Bleibt zu hoffen, dass die Fans Marco Rose so oder so die Zeit geben, die jeder neue Trainer bekommen sollte. Ewige Diskussionen könnten die eigentlich ordentliche Ausgangsposition der Borussia für 2021/22 beeinträchtigen. Und Edin Terzic dürfte irgendwann ohnehin als Cheftrainer nach Dortmund zurückkehren.

Spieler-Personalien sind noch weitgehend offen: Für den Fall, dass Roman Bürki den Verein verlässt, wird VfB-Keeper Gregor Kobel gehandelt. Weitere Zugänge sind ebenfalls von Abgängen abhängig.


RB Leipzig

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Die 1:2-Niederlage bei Union Berlin als Abschluss der Saison konnte kaum prototypischer für die Spätphase der kurzen „Ära“ Nagelsmann in Leipzig sein. Nach durchwachsender 1. Halbzeit steigert sich RB in der zweiten Hälfte, vergibt phasenweise Chancen im Minutentakt (19 Torschüsse, 2,44 xGoals) und schafft es, ein weitgehend kontrolliertes und dominiertes Spiel (62 Prozent Ballbesitz) durch zwei Unachtsamkeiten in der Abwehr zu verlieren. Union freut sich über die erste Qualifikation für Europa in der Klubgeschichte und Leipzig darüber, dass die Saison vorbei ist.

Saisonfazit: Vizemeister, Pokalfinale und Achtelfinale in der Champions League. Klingt nach einer sehr guten Saisonbilanz. Trotzdem ist ein großer Teil der RB-Fans froh, einen Haken an diese, weitgehend nur vor dem TV-Gerät erlebte Spielzeit machen zu können. Der wieder geplatzte Traum vom ersten nationalen Titel, der vorzeitige Abgang des Wunder-Trainers zum größten Konkurrenten und das schlechteste Saisonfinale der (noch kurzen) Bundesliga-Geschichte mit nur drei Siegen und zwei Remis aus den letzten zehn Spielen trüben den Gesamteindruck doch nachhaltig.

Dabei rückt in den Hintergrund, dass Nagelsmann das Team in seiner zweiten Saison endgültig auf ein anderes Level gehoben hat. Saisonübergreifende 60 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse pro Spiel und 82 Prozent Passquote stehen für ein dominant auftretendes Ballbesitz-Team, dass in guten Momenten einen beeindruckenden, taktisch flexiblen und schnellen Kombinationsfußball auf den Rasen zaubern konnte. Das große Manko war über die gesamte Saison die absurd schlechte Verwertung der in Hülle und Fülle herausgespielten Chancen. Das sah auch Julian Nagelsmann nach dem letzten Spiel gegen Union Berlin so: „Wir haben uns fußballerisch in allen Bereichen weiterentwickelt – nur die Tore sind der einzige Wert, bei dem wir uns deutlich verschlechtert haben”. Dummer Weise ist es das, worauf es im Fußball letzten Endes ankommt.

Spieler Tops & Flops:
Tops: Willi Orban, Angelino (Hinrunde)
Flops: Sörloth, Hwang, Upamecano (Rückrunde)
Überraschung: Szoboszlai (Vertragsverlängerung bis 2026 ohne eine Spielminute)

Blick in die Glaskugel: Zurück in die Zukunft könnte das Motto der kommenden Saison lauten. Unter dem neuen Trainer Jesse Marsch dürften in Leipzig die Stellschrauben wieder etwas mehr in Richtung der ursprünglichen „Red-Bull-DNA“ gestellt werden, mit der RB in der ersten Bundesligasaison für Furore sorgte: aggressiver, laufintensiver Gegenpressing- und Umschaltfußball, oft im 4-2-2-2. Zum Motto passt auch, dass Marsch aus Salzburg auch Patson Daka, mit 27 Treffern in 28 Spielen aktueller Torschützenkönig der österreichischen Liga, mitbringen könnte.   

Bereits fixierte Neuzugänge sind Josko Gvardiol (Dinamo Zagreb), Mohamed Simakan (RC Straßburg) und Brian Brobbey (Ajax Amsterdam) sowie die gezogenen Kaufoptionen bei Angeliño (ManCity) und Benjamin Henrichs (AS Monaco). Auch beim bislang von der Roma geliehenen Justin Kluivert soll RB zu einer festen Verpflichtung für rund 12 Millionen Euro tendieren.

Neben den feststehenden Abgängen des französischen Innenverteidiger-Duos Upamecano (Bayern) und Konate (Liverpool) sowie des bereits ausgeliehenen Hannes Wolf (Gladbach) ist mit weiteren Verkäufen zu rechnen. Zu den wahrscheinlichsten Kandidaten gehören neben den Sturm-Flops Sörloth und Hwang auch Kapitän Marcel Sabitzer und Marcel Halstenberg. Letzterer hat zwar ein Angebot zur Vertragsverlängerung (zu gleichen Konditionen) vorliegen, wird aber auf der linken Seite eher nur noch als Backup gesehen.

Über die Verwendung des üppigen Transferüberschusses in diesem Sommer gibt es in der Fanszene noch unterschiedliche Vorstellungen:


Borussia Mönchengladbach

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Über das 4:2 in Bremen hätte man sich freuen können - denn letztlich war es eine recht souveräne Vorstellung zum Abschluss einer merkwürdigen Saison. Doch der Sieg war nichts mehr wert, weil Union Berlin seine Hausaufgaben zeitgleich eben auch machte und somit mit einem Punkt Vorsprung Platz 7 und damit die Teilnahme an der neuen Conference-League perfekt machte. Immerhin versöhnten die Tore von Stindl, Thuram, Bensebaini und Neuhaus etwas für die zuletzt dürftigen Leistungen gegen München und Stuttgart.

Saisonfazit: Die Highlights der Saison liegen schon einige Zeit zurück. Die Auftritte gegen Real Madrid und Inter Mailand in der Gruppenphase der Champions League waren zum Teil herausragend, gekrönt natürlich von dem 10:0 in zwei Spielen gegen Donezk. Somit war der erstmalige Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse verdient und sicherlich der Höhepunkt der Saison.

Außergewöhnlich in der Liga war, dass Borussia in dieser Saison sowohl die Bayern als auch Leipzig und Dortmund besiegen konnte. Geholfen hat das letztlich nicht, weil in den anderen Spielen einfach zu viel liegen gelassen wurde. Tiefpunkte gab es daher auch einige. Wie chancenlos man gegen Man City im CL-Achtelfinale war, war dabei noch verkraftbar. Doch die sieben Niederlagen am Stück im Zuge der Bekanntgabe des Rose-Wechsels, zu denen auch zwei gegen den Guardiola-Club gehörten, zerstörten letztlich die Chancen auf eine erneute CL-Qualifikation.

Auch mit weniger wäre man in Gladbach am Ende zufrieden gewesen, doch selbst die Conference-League-Teilnahme wurde noch verspielt. Insgesamt war es zu wenig für das Potenzial der Mannschaft, da gibt es keine zwei Meinungen. Der tiefste Einzeltiefpunkt war sicher das hilflose 0:6 in München.

Spieler Tops & Flops: Topspieler ist ganz klar der Kapitän. Lars Stindl sammelte in 24 Einsätzen 24 Scorerpunkte, schoß 14 Tore und gab 10 Torvorlagen. Daneben überzeugten über die Saison gesehen im Mittelfeld vor allem Jonas Hofmann und Florian Neuhaus sowie Abwehrchef Matze Ginter, der sämtliche Spielminuten der Saison absolvierte. Während diese drei auch für die EM nominiert wurden, schaffte es Stindl nicht in Jogis Abschiedskader. Eigentlich unverständlich, ist er doch auch der beste deutsche Torschütze der Bundesliga.

Flop der Saison war kein Spieler, sondern Trainer Marco Rose, der in Gladbach nach eigener Aussage etwas aufbauen wollte, aber schon kurz nach dem Ende des ersten erfolgreichen Jahres mit der anderen Borussia anbändelte. Nach der Bekanntgabe des Wechsels im Februar gelang es ihm nicht mehr, wieder Stabilität in die Mannschaft zu bringen. Nach den Erfolgen in Salzburg und einem klasse Auftakt in Gladbach war diese Saison trotz der Champions-League-Vorrunde der erste große Rückschlag in Roses Trainerkarriere.

Blick in die Glaskugel: In die neue Saison geht Borussia bekanntlich mit einem neuen Trainerteam. Marco Rose geht, dafür übernimmt Frankfurts Adi Hütter. Ob er mit dem weitgehend gleichen Kader weitermachen kann, ist noch offen. Unter anderem Ginter, Zakaria, Thuram, Hofmann, Plea und Neuhaus sind heiß umworben. Das Verpassen des internationalen Geschäfts ist da sicher kein Pluspunkt.

Neu in Gladbach ist ab Sommer der junge Mittelfeldspieler Manu Koné aus Toulouse. Hannes Wolf wechselt nach seiner Leihe fest aus Leipzig an den Niederrhein. Nicht mehr im Trikot der Borussia laufen auf: Oscar Wendt, Ibrahima Traoré, Julio Villalba und der dritte Torwart Max Grün. Auch Leihgabe Valentino Lazaro kehrt erstmal zu Inter Mailand zurück. Eine feste Verpflichtung ist aber dennoch nicht ausgeschlossen, wenn der Preis stimmt.


Bayer Leverkusen

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Viele Wörter über die Niederlage bei Borussia Dortmund möchte ich nicht verlieren. Nicht weil mich der Dortmunder Sieg in besonderer Art und Weise stören würde, ein Spiel am letzten Spieltag zwischen zwei Mannschaften für die es tabellarisch um nichts mehr geht, trainiert von zwei Trainern, die nächste Saison nicht mehr Cheftrainer ihres Vereins sein werden, ist aus sportlichen Gesichtspunkten nicht sonderlich interessant. In Erinnerung bleiben wird dieses Spiel dennoch, als Abschiedsspiel von Sven und Lars Bender. Insbesondere für letzteren, der nun auch zum Ehrenspielführer ernannt wurde, war es eine komplizierte Saison, zu oft fehlte er verletzungsbedingt. Dass er überhaupt einige Minuten auf dem Platz stehen konnte, war schon eine positive Überraschung, dass aber das Spiel gleich mit einer solch schönen Geste enden würde, hätte er wohl nicht zu träumen gewagt. Denn nach einem Foul von Dortmunds Emre Can an Patrik Schick zeigte Schiedsrichter Manuel Gräfe auf den Elfmeterpunkt, Lars Bender wurde eingewechselt und verwandelte den Strafstoß ohne große Mühe, denn Torwart Roman Bürki ließ den Ball passieren und gratulierte Bender daraufhin auch zum Torerfolg. Getoppt wurde dies nur noch von seinen Worten nach dem Spiel.

Saisonfazit: Europa League statt Champions League, Trainerwechsel in der Rückrunde, DFB-Pokalaus gegen den Regionalligisten Essen und das Aus in der Europa League gegen Bern. Die Chronik dieser Saison liest sich sehr enttäuschend, die Geschichte dahinter auch. Noch bis kurz vor Weihnachten stand Peter Bosz mit seiner Mannschaft auf dem ersten Platz, doch schon damals hing der Erfolg an seidenem Faden. Für manches konnte das Trainerteam nichts, so war beispielsweise das Verletzungspech in dieser Spielzeit wahnsinnig groß, irgendwann merkte man den noch fitten Spielern die Belastung dann auch merklich an. Die meisten Spieler verletzten sich bei der Nationalmannschaft. Für anderes hingegen liegt die Verantwortung klar beim Trainerteam: Schon damals war ersichtlich, dass Leverkusen so viele Punkte holte, weil es wahnsinnig effektiv bei Standardsituationen war und sehr effizient bei der Chancenverwertung, gleichzeitig stand die Defensive weitestgehend solide. Aber viele Chancen konnte sich die Mannschaft aus dem vielen Ballbesitz nicht erspielen, was aufgrund der Effizienz zuerst auch nicht nötig war. Als die Mannschaft dann zu Beginn der Rückrunde erst ins Straucheln kam und dann schlussendlich ganz zusammenfiel, zeigte sich endgültig, dass keine Weiterentwicklung beobachtbar war. Bosz letztes Spiel bei Hertha BSC markiert damit auch den Tiefpunkt der Saison. Denn die oben beschriebenen Probleme blieben und das Glück und die Effizienz blieben aus.

Hannes Wolf konnte dann die Mannschaft stabilisieren, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das allerdings reichte auch für die Europa League, sodass wenigstens das Minimalziel errreicht werden konnte.

Und um auch den Blick über den Tellerrand hinauszuwagen: In einigen Vereinen fielen mal die Worte im Vorfeld einer Saison „Wir müssen da sein, wenn die Bayern straucheln“, auch in Leverkusen. Diese Saison war eine solche, ernsthaft gefährlich wurde es für die Münchener in der zweiten Saisonhälfte aber nicht. Das hat viele Gründe und ist kein Thema, was man hier weiter erörtern kann, es gibt einen aber zu denken in einem Jahr, wo die Serienmeister Paris Saint-Germain und Juventus Turin nicht Meister geworden sind.

Spieler Tops & Flops: Man muss leider festhalten, dass sehr viele Spieler in dieser Saison enttäuscht haben. Karim Bellarabi kam in 22 Spielen auf keinen einzigen Scorerpunkt, Charles Aránguiz war in seiner neuen Rolle als Kapitän ein Schatten seiner selbst, Diaby mangelte es in weiten Teile der Saison an Spitzigkeit. Folglich bleibt nicht viel anderes übrig als die Spieler zu Tops zu erklären, die konstant ordentliche Leistungen erbracht haben. Hrádecký, Sven Bender, Alario und Schick, Tapsoba oder Baumgartlinger wären hier zu nennen. Und natürlich Florian Wirtz, mein Spieler der Saison, weil ihm tatsächlich eine Weiterentwicklung gelungen ist. Bei anderen Spielern wie Amiri oder Demirbay war dies nur temporär zu beobachten. Ein weiterer Lichtblick dieser Saison ist sicherlich auch noch Palacios, der unter Peter Bosz gar nicht zum Zug kam, unter Hannes Wolf aber durchaus vielversprechende Auftritte hinlegte.

Blick in die Glaskugel: Gerry Seoane trainiert ab sofort die Mannschaft, wer zu dieser Mannschaft gehört, ist allerdings noch nicht klar. Einige Abgänge sind sicher (Bender-Zwillinge, Dragović), andere scheinen hinreichend wahrscheinlich (Pohjanpalo, Weiser, Retsos), vieles ist aber noch ungewiss. Besonders was Zugänge angeht.

In Bern hat Seoane im 4-4-2 gespielt, womöglich sehen wir in der folgenden Saison Alario und Schick öfter mal zusammen. Der Fokus wird wohl auf einem schnellen, vertikalen Offensivspiel liegen, weniger Ballzirkulation á la Bosz, mehr Attacke á la Roger Schmidt. Aber das wird sich alles zeigen, die Zielsetzung bleibt wohl auf jeden Fall unverändert, die Champions League soll es sein.


TSG Hoffenheim

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Zum Abschluss dieser mehr als außergewöhnlichen Saison empfing die TSG vergangenen Samstag um 15:30 Uhr die Berliner Hertha in der PreZero-Arena. Das Spiel stand ganz im Zeichen des Karriereendes von Sami Khedira, der wohl einer der unterschätztesten Spieler seiner Generation ist.

Nun aber zum Sportlichen: Wie so oft in den letzten Wochen war die TSG in der ersten Hälfte das bessere Team, war aber unfähig das Tor zu treffen und fing sich kurz vor der Pause das Gegentor durch Darida (43’). Die erste Szene nach dem Seitenwechsel gehörte ebenfalls Darida, der den Ball an den Pfosten setzte. Im Gegenzug glich Adamyan nach Zuspiel von Sessegnon mit seinem zweiten Saisontreffer aus (49’). Das Spiel wurde schließlich in der Nachspielzeit von Kramaric entschieden, der nach Vorlage von Bebou zum 2:1 Endstand einnetzte (90’+1) und so seinen 20. Saisontreffer erzielte.

Saisonfazit: Das auf Twitter am meisten genannte Saisonhighlight war der furiose 4:1 Heimsieg gegen die damals seit 32 Pflichtspielen ungeschlagenen Münchner vor 6030 Zuschauern am zweiten Spieltag. Die zu diesem Zeitpunkt noch beinahe vollständig beisammene Hoffenheimer Mannschaft ließ ihr spielerisches Potenzial deutlich aufblitzen und dominierte den FC Bayern. Auch der souveräne Einzug in die K.o.-Runde der Europa League darf sicherlich als Highlight betitelt werden. 

Nach einer relativ langen Zeit ohne spielerische Highlights und eher dürftigen Ergebnissen, darunter das desaströse 0:4 auf Schalke im Januar und das fast schon blamable Ausscheiden im Sechzehntelfinale der Europa League gegen Molde FK, folgte gegen Ende der Saison nochmals ein deutlicher Aufschwung mit sieben ungeschlagenen Partien in Folge. Dieser Aufschwung ist wohl vor allem auf die Umstellung von einer Dreier- auf eine Viererabwehrkette zurückzuführen, kann aber trotzdem nicht über die alles in allem doch sehr unbefriedigende Debütsaison von Sebastian Hoeneß hinwegtäuschen. 

Auch wenn im Vorfeld nicht eindeutig formuliert, dürfte das Ziel mit ziemlicher Sicherheit die erneute Qualifikation für den Europapokal gewesen sein, die mit Platz elf dann doch relativ deutlich verfehlt wurde. Auch spielerisch war diese Saison nicht immer das, was sich Fans und Verantwortliche von der TSG erhofft hatten. In vielen Spielen wirkte die Mannschaft planlos und auch Sebastian Hoeneß schien in Teilen überfordert mit der Situation zu sein, was ihm aufgrund seiner geringen Erfahrung aber wohl kaum vorzuwerfen ist.

Spieler Tops & Flops: Der mit Abstand beste TSG-Spieler der abgelaufenen Saison ist wenig überraschend Andrej Kramaric. Der kroatische Torjäger erzielte in wettbewerbsübergreifend 34 Spielen überragende 25 Tore und bereitete weitere sechs Treffer vor. Neben Andrej Kramaric konnten in der Offensive vor allem Ihlas Bebou und Christoph Baumgartner überzeugen, die insgesamt auf 21 (9 Tore und 11 Assists) beziehungsweise 16 (9 Tore und 7 Assists) Scorer kommen. Auch Sechser Diadie Samassekou, der von einigen Fans scherzhaft als “Kraichgau-Kanté” betitelt wird, lieferte ebenso wie Oliver Baumann eine starke Saison ab.

Die beiden größten Enttäuschungen der vergangenen Spielzeit waren Ishak Belfodil und Mijat Gacinovic. Ishak Belfodil hatte sich nach einem Kreuzbandriss wieder zurück in die Mannschaft gekämpft, wirkte auf dem Platz aber meist wie ein Fremdkörper und verlangsamte das Offensivspiel der TSG häufig. Auch von Mijat Gacinovic, der im Sommer als Wunschspieler von Sebastian Hoeneß von Eintracht Frankfurt geholt wurde, konnte nur selten überzeugen. Häufig leitete er mit schlampigen Ballverlusten Angriffe des Gegners ein und wirkte auch vor dem Tor mehrmals unglücklich.

Blick in die Glaskugel: Auch in der kommenden Saison wird Sebastian Hoeneß Trainer der TSG bleiben. Dies bestätigte Direktor Profifußball Alexander Rosen bereits vor einigen Wochen.

Ebenso kündigte Rosen eine Verkleinerung des Kaders an. Kasim Adams, Joshua Brenet, Kostas Stafylidis und Ishak Belfodil gelten als Verkaufskandidaten, bei Florian Grillitsch und Andrej Kramaric, die beide in ihr letztes Vertragsjahr gehen, wird die TSG bei einem passenden Angebot sicherlich auch gesprächsbereit sein. Definitiv verlassen wird die TSG Ryan Sessegnon, der zu seinem Stammverein Tottenham zurückkehren wird.

Auch auf der Zugangsseite war die TSG bereits aktiv. Mit David Raum und Angelo Stiller wechseln zwei große Talente ablösefrei in den Kraichgau. Bei den in dieser Saison an die TSG verliehenen Sebastian Rudy und Chris Richards strebt man in Hoffenheim eine feste Verpflichtung an.


VfL Wolfsburg

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Am letzten Spieltag der Saison ging es für den VfL Wolfsburg mehr oder weniger nur um die goldene Ananas. Im sicheren Gefühl der Champions League-Teilnahme und der frühen Führung der Dortmunder mit dem Bewusstsein, dass nur ein Kantersieg gegen Mainz für den dritten Platz reichen würde, gingen es die Wölfe eher ruhig an. Die Mainzer hingegen zeigten einen couragierten Auftritt und gingen letztlich verdient mit 3:2 als Sieger vom Feld. Der VfL war zwar feldüberlegen und spielte grundsätzlich nicht schlecht, aber war vor allem in der Defensive einige Male unkonzentriert. Immerhin stimmte auch im letzten Spiel die Wolfsburger Moral: mit zwei Traumtoren durch Philipp und Victor wurden zwei Rückstände jeweils ausgeglichen.

Saisonfazit:Der VfL Wolfsburg hat eine überragende Saison gespielt und die Erwartungen mit der CL-Teilnahme mehr als nur übertroffen. Vor allem die Art und Weise, wie in Wolfsburg inzwischen wieder Fußball gespielt wurde, sorgte im Umfeld für Begeisterung. Saisonhighlight war sicherlich die Siegesstrecke in der Rückrunde mit mehreren Vereinsrekorden durch die jeweiligen Zu-Null-Siege. Hier hatte man als VfL-Fan und -Mannschaft die sprichwörtliche breite Brust, die den Grundstein für den späteren vierten Platz legen sollte. Tiefpunkt der Saison war mit Sicherheit die bereits medial verkündete Entlassung von Trainer Glasner im Spätherbst. Nicht auszudenken, wenn sich diese falschen Schlagzeilen letztlich als wahr entpuppt hätten. Wahrscheinlich wäre die Saison nicht in der Champions League geendet. Durch den vierten Platz und banal das Erreichen des internationalen Geschäfts hat der VfL seine Ziele voll erfüllt. Für mehr hätten es dann auch mal Punkte gegen Bayern oder Dortmund (je zwei Niederlagen) und mehr als die zwei Punkte aus den Spielen gegen Leipzig sein müssen. Auch die Unentschieden-Serie zu Beginn der Saison, die ohne große Vorbereitung gestartet werden musste, schlugen im Nachhinein negativ zu Buche. Das ist aber Jammern auf ganz hohem Niveau. Schließlich hat der VfL vor knapp drei Jahren noch in der Relegation gerade so die Klasse gehalten. Jetzt ist sportlich wieder alles in Butter.

Spieler Tops & Flops: Für den Erfolg des VfL ist vor allem eine funktionierende Achse verantwortlich: Casteels-Lacroix-Arnold-Weghorst zusammen mit Schlager, Brooks und Baku sorgten dafür, dass sich der VfL nicht nur defensiv stark zeigte, sondern auch wieder torgefährlich wurde. Weghorst mit 20 Treffern ist der erste Wolfsburger seit Grafite und Dzeko, dem dies gelang. Arnold spielte als Chef im Mittelfeld seine wahrscheinlich beste Saison im VfL-Trikot. Baku und Lacroix sind überragende Neuzugänge, die die Qualität der ersten Elf massiv anhoben. Gerade der Franzose in Verbindung mit dem oft gescholtenen Brooks hatte großen Anteil daran, dass Wolfsburg die zweitbeste Defensive der Liga verzeichnete. Insgesamt gehörten zu den Tops auch Gerhardt und Otavio sowie bis zu seiner Verletzung auch Renato Steffen und am Saisonende Maximilian Philipp. Weniger erfolgreich, auch durch zahlreiche Verletzungen, war die Saison vor allem für Ginczek und Mehmedi. Auch Joao Victor und Jerome Roussillon spielten höchstens noch eine untergeordnete Rolle in der Wölfe-Elf. Pongracic, Brekalo und Guilavogui hatten Licht und Schatten.

Blick in die Glaskugel: Nachdem es die VfL-Verantwortlichen geschafft hatten die Katze wochenlang im Sack zu lassen, gibt es ganz aktuell doch noch die Entscheidung in Sachen Trainer Oliver Glasner. Sein Abschied zu Eintracht Frankfurt ist verkündet und bedeutet für den VfL Wolfsburg einen herben Rückschlag. Über die Hintergründe kann nur spekuliert werden, angeblich ist das Verhältnis zu Wolfsburg-Manager Schmadtke zerrüttet. Warum Glasner es dennoch offenbar vorzieht lieber Europa League statt Champions League zu spielen, lässt tief blicken. Hier wird die kommende Saison äußerst spannend. Egal wer die Nachfolge antritt, sollte besser gleich Erfolg haben - bei den großen Fußstapfen, einer funktionierenden Mannschaft und Dreifachbelastung kein einfaches Vorhaben. Da bereits schon einige Verstärkungen angekündigt wurden, sollte der VfL Wolfsburg aber auch so oder so um die internationalen Plätze mitspielen.


SC Freiburg

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel:

Am letzten Spieltag trat der SC Freiburg in Frankfurt an, wo man mit einem Sieg noch eine minimale Chance auf die Europa Conference League gehabt hätte. So begann das Team auch sichtbar motiviert und hätte durch Grifo mehrfach in Führung gehen können. Auf der anderen Seite scheiterten Silva und Hrustic ebenfalls knapp. Danach flachte das Spiel stark ab, erst in der zweiten Halbzeit wurde das Spiel wieder ansehnlich. Nach einer sehr unterhaltsamen Viertelstunde schaltete sich aus dem Nichts der VAR ein und erkannte (zu Recht) auf Handelfmeter für Frankfurt, den Silva sicher verwandelte. In der besten Phase für Freiburg gelang dann dem eingewechselten Jeong der zwischenzeitliche Ausgleich, bevor ein schlecht verteidigter Standard und ein schön ausgespielter Konter noch für zwei Tore für die Eintracht sorgten, die ihr letztes Spiel unter Adi Hütter damit 3:1 gewannen. Europa war für den Sport-Club durch die anderen Ergebnisse schnell ohnehin kein Thema mehr, durch die Niederlage bleibt man aber ärgerlicherweise auch um ein Tor hinter dem VfB Stuttgart auf Platz 10.

Saisonfazit:

Am Ende steht für den SC Freiburg eine sicherlich zufriedenstellende Saison zu Buche, in der man bis kurz vor Schluss auf einen Europapokalplatz hoffen konnte und mit dem Abstieg schon sehr früh nichts mehr zu tun hatte. Damit war kaum zu rechnen, als man in der Hinrunde neun Spiele in Folge ohne Sieg blieb und am zehnten Spieltag noch auf Platz 14 lag. Besonders die 3:1 Niederlage gegen die bis dahin noch sieglosen Mainzer gab damals durchaus Anlass zur Sorge. Stattdessen zeigte sich die Mannschaft in der Folge deutlich verbessert und konnte nach zwei bitteren Unentschieden gleich fünf Siege in Folge einfahren – ein neuer Bundesliga-Vereinsrekord für den Sport-Club.

In der Rückrunde gelangen einige Überraschungserfolge gegen besser platzierte Mannschaften. So konnte man nach unglaublichen 19 (!) sieglosen Spielen gegen den BVB erstmals wieder drei Punkte mitnehmen, auch Leverkusen schlagen und Bayern zumindest einen Punkt abknöpfen. Dennoch endet die Saison einigermaßen unbefriedigend, da man in den letzten zehn Spielen das tabellarisch leichteste Restprogramm der ganzen Liga hatte, daraus aber letztlich nur elf Punkte mitnehmen konnte. Ärgerliche Niederlagen wie etwa gegen Bielefeld oder die Hertha verhinderten, dass man aus einer guten eine sehr gute Saison gemacht hätte.

Dennoch lässt sich für den Sport-Club sehr positiv festhalten, dass man nun schon zum zweiten Mal in Folge nichts mit dem Abstieg zu tun hatte und sich langsam zumindest im Mittelfeld der Liga zu etablieren scheint. Für einen Verein, der lange Zeit immer den kleinsten oder zweitkleinsten Etat der Liga stellte und mit Platz 15 schon tendenziell über seinen Möglichkeiten spielte, ist dies ein großer Schritt. Hoffentlich kann man diesen Trend auch nächste Saison bestätigen.

Spieler Tops & Flops:

Beim SC Freiburg gab es einige gute Entwicklungen und Überraschungen zu beobachten. Der für über 10 Millionen € verpflichtete Rekordtransfer Baptiste Santamaria konnte die Erwartungen voll erfüllen und spielte sich sehr schnell gemeinsam mit Nicolas Höfler auf der Doppelsechs ein. Auch Ermedin Demirovics erste Saison in Freiburg verlief äußerst positiv. Ungewohnt schnell erarbeitete er sich das Vertrauen von Christian Streich und trug mit 5 Toren und 10 Assists viel zum Erfolg der Mannschaft bei. Roland Sallai gelang in seiner dritten Saison beim Sport-Club der erhoffte Entwicklungssprung und ist nun sowohl als Vorlagengeber als auch als Torjäger einer der stärksten Freiburger Spieler.

Die beiden besten Spieler der Saison sind jedoch sicherlich Christian Günter und Vincenzo Grifo, die als gemeinsamer „linker Anker“ großen Anteil an der guten Freiburger Saison hatten und gegnerische Mannschaften mit ihrem starken Kombinationsspiel, Günters Tempo und Grifos Dribbelstärke reihenweise zur Verzweiflung trieben. Für Christian Günter wird dies mit einer EM-Teilnahme belohnt, Vinzenco Grifo ist zumindest bereits im erweiterten Kader nominiert.

Enttäuschend blieb dagegen vor allem die Personalie Guus Til, der mit viel Versprechungen aus Moskau an den Sport-Club geliehen wurde, jedoch nie recht Fuß fassen konnte und nun am Ende seiner Zeit in Freiburg auf gerade einmal 120 Minuten Einsatzzeit in der Profimannschaft kommt.

Blick in die Glaskugel:

Wie üblich wird der SC Freiburg von sich aus keine größeren Umbrüche vornehmen, wenn dies nicht durch Wechselwünsche erzwungen wird. Da man mit Lienhart, Günter und Sallai bereits verlängert hat und die meisten anderen Kandidaten noch Vertrag haben sollten, ist eher nicht mit massenhaften Ab- oder Zugängen zu rechnen.

Ein bitterer Abgang ist der von Chang-hoon Kwon, der für seinen Militärdienst zurück nach Korea muss. Die sehr erfolgreiche Leihgabe Florian Müller kehrt zurück nach Mainz, da nun der genesene Flekken wieder im Tor stehen wird. Man wird nun abwarten müssen, ob es etwa nach der EM doch noch größere Angebote für Freiburger Spieler gibt. Ansonsten könnte man mit einem gut eingespielten Kader in die Saison 21/22 gehen – ein Luxus, den man im Breisgau nicht all zu oft genießen kann.


Eintracht Frankfurt

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Eintracht Frankfurt schließt die Saison mit einem 3:1-Heimsieg gegen den SC Freiburg ab. 

Beide Mannschaften boten ein Spiel mit vielen Chancen (16:11 Torschüsse bei ausgeglichenem Ballbesitz), große Spannung blieb jedoch aus. Sicherlich war das auch der Ausgangslage beider Teams vor dem Spiel geschuldet: Nur für die Freiburger ging es theoretisch noch um die Minimalchance des Einzugs in die Conference League. 

Die nach wie vor große Enttäuschung über das Verpassen der Champions League macht der Sieg gegen den SC Freiburg zwar nicht wett, dennoch verabschiedet sich die Eintracht mit einem kleinen Erfolgserlebnis von dieser Achterbahn-Saison. 

Saisonfazit: Mit 60 Punkten beendet Eintracht Frankfurt die Saison auf Tabellenplatz 5 und zieht in die Europa League ein. Nie fuhr die Eintracht seit der Einführung der 3-Punkte-Regel mehr Punkte ein. Zudem blieben die Hessen die ganze Saison über zuhause ungeschlagen. 

Trotz dieser herausragenden Saison voller Rekorde bleibt am Ende aber auch das Gefühl, etwas ganz Großes verpasst zu haben. Die europäischen Plätze anzugreifen, war vor der Saison das Ziel. Dahinter können die Hessen einen Haken machen. Im Laufe der Saison kristallisierte sich aber immer mehr ein neues Ziel heraus: die Champions League. Mit nur einem Punkt hinter Platz vier muss die Eintracht den Traum loslassen – nachdem sie am 28. Spieltag noch sieben Punkte Vorsprung auf den damals fünftplatzierten BVB verzeichnete. 

Der Saisonhöhepunkt der Frankfurter dürfte somit der 4:3-Sieg gegen den direkten Konkurrenten VfL Wolfsburg gewesen sein, der den Sieben-Punkte-Vorsprung möglich machte. Der Tiefpunkt hingegen war erreicht, als dieser Vorsprung mit einem Unentschieden gegen Mainz 05 am 32. Spieltag verspielt wurde, der BVB vorbeizog und die historische Chance auf die Champions League nicht mehr in der eigenen Hand lag. Nachdem die Eintracht einen Spieltag später noch 4:3 auf Schalke verlor, war auch der hartnäckigste Hoffnungsschimmer erloschen.

Den Wendepunkt markierte die Niederlage in Mönchengladbach, die direkt auf die Verkündung Hütters als neuer Fohlen-Trainer folgte. Ab diesem Zeitpunkt war der Höhenflug der Frankfurter beendet. Das Team wirkte wie ausgewechselt – und bekam bis zum Saisonende das Ruder nicht mehr herumgerissen.

Spieler Tops & Flops: Neben vielen Tops und einer – zumindest zeitweise – perfekt funktionierenden Mannschaft, sticht besonders ein Überflieger hervor: Rekordtorschütze André Silva. Der Portugiese erzielte insgesamt 28 Tore und stellte den vereinsinternen Torrekord von Bernd Hölzenbein (26 Tore) ein. Torschützenkönig wurde zwar Robert Lewandowski, Silva sichert sich mit seinen konstant starken Leistungen aber den zweiten Platz vor Erling Haaland. 

Auch Filip Kostic und Daichi Kamada glänzten mit zahlreichen Torvorlagen. Neuzugang Amin Younes brachte mit seiner Ankunft in Frankfurt neuen Schwung ins vorher oft schleppende Offensivspiel der Eintracht. Die Systemumstellung auf zwei Zehner funktionierte hervorragend und Younes brachte zudem seine technischen Fähigkeiten, sowie kreative Ideen ein.  

Aufgrund der vielen Tops und einem funktionierenden Mannschaftsgefüge verzichte ich auf Flops und nenne lieber weitere positiv auffällige Spieler: Mittelfeldmann Djbril Sow machte in dieser Saison den nächsten Schritt und wurde unverzichtbar, Makoto Hasebe spielte trotz seiner stolzen 37 Jahre eine wichtige Rolle und Youngster Tuta überraschte als Abraham-Nachfolger mit starken Leistungen in der Innenverteidigung – wo auch N’Dicka und Hinteregger weiterhin Leistungsträger waren.

Als Flop kann außerhalb der Mannschaft die Kommunikation rund um die Abgänge von Bobic und Hütter genannt werden, die in einer wichtigen Saisonphase große Unruhe ins Vereinsumfeld brachte.

Blick in die Glaskugel: Viele, teils langjährige Wegbegleiter, verlassen die Eintracht zum Saisonende. Darunter Trainer Adi Hütter, sowie die Co-Trainer Armin Reutershahn und Christian Peintinger. Außerdem gehen Fredi Bobic und Bruno Hübner. Neuer Sportvorstand wird Markus Krösche (vorher RB Leipzig). Er bringt Timmo Hardung mit, der neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung wird. 

Am Mittwoch verkündete Eintracht Frankfurt nach langem Warten außerdem den neuen Trainer: Oliver Glasner kommt vom VfL Wolfsburg und unterschreibt bei den Hessen einen Vertrag bis 2024.

Jetro Willems‘ Vertrag läuft aus. Der Linksverteidiger verlässt die Eintracht. Luka Jovic kehrt nach seiner Leihe vorerst zurück zu Real Madrid. Auch Markus Schuberts Leihe endet. Der Torhüter kehrt zurück zum FC Schalke 04. 

Neu dazu kommen Linksverteidiger Christopher Lenz von Union Berlin, sowie das spanische Toptalent Fabio Blanco (FC Valencia). Schon während der Saison sicherten sich die Frankfurter außerdem die Dienste vom türkischen Stürmertalent Ali Akman, der seinen Vertrag bei Bursaspor zum 1. März auflöste. Er ist ab der kommenden Saison spielberechtigt. 

Außerdem waren einige Eintracht-Spieler verliehen und performten bei ihren Leihvereinen gut – so beispielsweise Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) und Rodrigo Zalazar (FC St. Pauli). Danny da Costa und Dominik Kohr verstärkten den 1. FSV Mainz 05 im Abstiegskampf und Goncalo Paciencia, sowie Frederik Rönnow verweilten bei Schalke 04 – beide kämpften jedoch mit Verletzungspech. Wie es mit den Leihspielern weitergeht, steht derzeit noch nicht fest. 


Hertha BSC

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Zwar ging es glücklicherweise für die Berliner Hertha um nicht mehr viel, doch wollte Pál Dárdai dennoch mit einer Serie von dann neun ungeschlagenen Spielen die Saison beenden. Es ging wohl nicht nur um die schöne Serie, sondern vor allem auch darum, den Spielern eine neue Art der Leistungskultur einimpfen zu wollen. Nie zufrieden sein, nie nachlassen. Axel Kruse brachte im Hauptstadt-Derby Podcast des RBB einen passenden Vergleich: Eintracht Frankfurt hatte in der grandiosen Europapokal Saison 2018/19 die Chance, als bereits qualifiziertes Team den Rekord zu brechen, als erstes deutsches Team alle sechs Gruppenspiele zu gewinnen. Mit einer puren Willensleistung drehte man das Spiel bei Lazio und holte den Rekord.

Was hat das mit dem Spiel Hoffenheim – Hertha zu tun? Hertha fehlt diese Art von Gier, auch wenn der Begriff sich seit Markus Babbel in Berlin etwas ausgenutzt anfühlt.

Man verlor dieses Spiel in der letzten Minute durch ein Tor von Kramaric. Die Serie ist dahin. Positiv bleibt: Jeder sollte wissen, dass es viel zu tun gibt, damit wir in der nächsten Saison nicht zum dritten Mal in Folge Abstiegskampf zu erleben.

Ein Highlight hatte das Spiel dennoch: Mit Sami Khedira verließ einer der besten Mittelfeldspieler seiner Generation zum letzten Mal als aktiver Profi den Rasen. Auch wenn er bei Hertha sportlich nur noch sehr eingeschränkt helfen konnte, so hat seine grenzenlose Professionalität und sein Charakter als absoluter Teamplayer der Mannschaft in den letzten vier Monaten das gegeben, was sie brauchte, um im Abstiegskampf zu bestehen und als Mannschaft enger zusammen zu rücken. Das Motto für den Hertha-Kader der Zukunft lautet: Character beats Quality. Sami Khedira jedoch vereinte beides.

Saisonfazit: Wie in der Rückschau schon anklang, muss man einfach von einer erneut verkorksten Saison sprechen. Der Angriff auf die Europapokal-Plätze ging grandios schief, Hertha wollte zu schnell zu viel. Die finanziellen Möglichkeiten, über die Hertha seit gut zwei Jahren verfügt, wurden gerade in den kurzen Klinsmann-Ära relativ schnell in die Mannschaft gesteckt. Der sportliche Erfolg blieb aus. Michael Preetz hatte in den Jahren zuvor oftmals ein gutes Händchen, wenn es darum ging junge, entwicklungsfähige Spieler zu holen und sie mit älteren Führungsspielern, wie Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic zusammen zu führen. Der im letzten Sommer erfolgte Umbruch beschränkte sich nicht nur darauf, neue Spieler zu holen – zeitgleich verließ Hertha mit den eben genannten Kalou und Ibisevic, sowie Per Skjelbred und Thomas Kraft eine gesamte Achse aus Führungsspielern. Ein Fehler, der im Winter mit der Verpflichtung von Sami Khedira erkannt und teilweise korrigiert wurde.

Kurzum: Hertha hat eine bunt zusammengewürfelte Truppe auf dem Platz. Ohne Frage talentiert, aber führungslos und nicht als Mannschaft zusammengewachsen. Dazu hatte man in Berlin seit Jahren eine eher zurückhaltende Haltung eingenommen, wenn es um die Frage nach Erfolgen und ehrgeizigen Zielen ging. Das musste sich verändern, da die Möglichkeiten andere wurden. Wie genau man aber eine gierige, ehrgeizige, erfolgshungrige Mannschaft zusammenstellt, an dieser Fragestellung scheiterte man bei Hertha und allen voran Michael Preetz.

Warum also trotzdem positiv in die Zukunft schauen? Weil die Weichen in eine erfolgreichere Zukunft gestellt wurden. Arne Friedrich machte als Sportdirektor und Interims-Geschäftsführer-Sport einen herausragenden Job, den er hoffentlich auch weiterhin für Hertha BSC ausüben wird. Mit Fredi Bobic hat man den Manager der Liga gewonnen, der eben dafürsteht, Charaktere zusammen zu bringen, die nicht nur Qualität, sondern auch Charakter mitbringen und sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen. Die in Drucksituationen ein paar Prozent mehr bringen und nicht in Ehrfurcht erstarren, wenn das Stadtderby ansteht und es etwas ruppiger zur Sache geht.

Und darüber hinaus ist man bei Hertha enger zusammengerückt. Trainer, Mannschaft und vor allem auch die Fans standen zusammen. Man hat sich nicht gegenseitig zerpflückt, sondern die Einheit Hertha BSC geprägt. #GemeinsamHertha ist das Motto, mit dem Hertha BSC in eine erfolgreiche Zukunft gehen kann.

Spieler Tops & Flops: Gefühlt schon seit mehreren Jahren hat man bei Hertha BSC in der Saisonrückschau ein großes Problem, klare Tops & Flops herauszuarbeiten.

Spieler, die nicht oder kaum stattgefunden haben, wie Mathew Leckie oder Eduard Löwen sind kaum zu bewerten und verlassen den Verein.

Niklas Stark hat sich unter Pál Dárdai zum Führungsspieler entwickelt und ist mit Leistung und Einsatz auf und neben dem Platz als Vorbilder aufgetreten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass diese Leistung unter Bruno Labbadia oftmals eher unterdurchschnittlich war und seine öffentlichen Aussagen über den Trainer auch nicht gerade das waren, was man vom Vize-Kapitän hören möchte.

Apropos Kapitänsbinde: Dedryck Boyata ist, wenn er fit ist, wahrscheinlich Herthas bester Innenverteidiger. Leider war er zu oft verletzt. Dass er sich die letzte Verletzung zuzog, als er gerade aus einer Verletzung kommend zu einer relativ sinnfreien Nationalmannschaftsreise aufbrach, zieht das Resümee nicht gerade in den positiven Bereich.

Die Entdeckung der Saison ist sicherlich Marton Dárdai. Schon unter Bruno Labbadia schnupperte er Bundesliga-Luft und wurde regelmäßig über den Klee gelobt. Pál Dárdai beförderte ihn dann überraschend in die Start-Elf, wo er seitdem blieb. Mit seinem überragenden linken Fuß und seiner Übersicht machte er sich schnell unverzichtbar und stellt sogar seinen direkten Kontrahenten Jordan Torunarigha vor gewaltige Probleme, sich seinen Stammplatz zurück zu erkämpfen.

Uneingeschränkt als Tops der Saison zu bewerten sind allerdings Pál Dárdai, Zecke Neuendorf und Arne Friedrich. Egal, wie schwierig die Situation war und wie wenig sie für die Ursachen konnten: Sie bekämpften jedes Symptom und blieben dabei immer optimistisch und strahlten eine jetzt-erst-Recht-Mentalität aus.

Bleibt zu hoffen, dass sie auch in der Ursachenbekämpfung ähnlich erfolgreich sind. Eine erfolgreiche Hertha mit Pál, Zecke, Arne und Fredi in den entscheidenden Positionen wäre genau das, was die geschundene Hertha-Seele gebrauchen könnte.

Blick in die Glaskugel: Sami Khedira beendet seine Karriere, Mathew Leckies Vertrag wird nicht verlängert und Eduard Löwen wird beim VfL Bochum gehandelt. Pál Dárdai bleibt Hertha erhalten und das sehr wahrscheinlich als Cheftrainer der Profis. Hinter der Personalie Arne Friedrich steht noch ein Fragezeichen, welches eventuell schon zur Mitgliederversammlung aufgelöst wird. Neben Fredi Bobic soll auch Dirk Dufner als Kaderplaner kommen, außerdem ist Pablo Thiam, aktuell Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim VfL Wolfsburg im Gespräch. Bobic wird darüber hinaus den einen oder anderen Vertrauten aus Frankfurt mitnehmen. Wie stark Fredi Bobic den Kader, der schon den letzten Umbruch nicht verkraftete, umkrempeln wird, bleibt abzuwarten. Klar scheint, dass man bei Hertha BSC endlich einen klaren Plan verfolgt. Und da dieser Plan aus dem Inneren des Vereins kommt, mit einer Mischung aus Herthanern, externer Expertise und nicht von einem schwurbelnden Lehmann oder einem größenwahnsinnigen Klinsmann verfolgt wird, besteht durchaus Hoffnung für das chronische Berliner Sorgenkind.


Union Berlin

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Wenn am letzten Spieltag in der Alten Försterei ein Fußballunternehmen gastiert, dessen einziges Existenzziel darin besteht, Marketing für ein süß-klebendes Brausegesöff zu machen, ist klar, dass sich die 2.000 anwesenden Fans dem Aufruf der aktiven Berliner Fanszene anschließen, um aus Protest gegen das Konstrukt aus Leipzig 15 Minuten zu schweigen. Was lediglich dem Sky-Kommentator nicht bewusst war. Das Spiel, in dem es für Union um die Kirsche auf der Sahnetorte – die Teilnahme an der European Conference League – und für LE um nichts mehr ging, ist schnell erzählt.

Leipzig bestimmte das Spiel, konnte aber aus seinen Ballbesitz von 62% nicht in Tore umwandeln. In die Halbzeit gings mit einem 0:0. In der 55‘ lag der Ball dann doch im Netz der Köpenicker zum 0:1. Keine 10 Minuten später traf Friedrich für die Eisernen überragend zum Ausgleich. Das war das Signal für Unions-Coach Fischer in der Offensive mit Awoniyi, Becker, Bülter und Teuchert alles auf eine Karte zu setzen. Es dauerte aber noch bis zur Nachspielzeit und Kruse sorgte mit seinem 2:1 dafür, dass Union Berlin nach 20 Jahren nach der Premiere wieder international spielt. Europa wir kommen!

Saisonfazit: Wenn eine Mannschaft, die immer in der Riege der potentiellen Absteiger genannt wird, in ihrem zweiten Bundesligajahr die Saison mit 50 Punkten auf Platz 7 beendet und zusätzlich in der UEFA Conference League spielen darf, dann kann man nicht von einem Saisonhighlight eines einzelnen Spiels sprechen, sondern für die Eisernen waren 34 Spieltage ein Highlight, quasi eine Tour der Glückseligkeit quer durch die Republik, nur unterbrochen durch die 3:1 Niederlage bei der Hertha in Charlottenburg. Das Saisonziel Klassenerhalt, und etwas anderes sollte für Union mit dem zweitkleinsten Budget der Liga auch nicht das Ziel sein, haben die Berliner frühzeitig erreicht. Das diese Tour durch die Bundesliga fast die gesamte Saison ohne Fans stattfinden musste, ist für einen Verein wie den 1. FC Union Berlin der eigentliche Tiefpunkt der Saison, wo die Mannschaft und die Fans eigentlich nicht ohne des jeweils anderen Spiele erfolgreich bestreiten können, ist – als weiteres Highlight dieser Saison – auch wiederlegt: Die Köpenicker haben von den 17 Heimspielen in der Alten Försterei 16 Spiele in Folge gewonnen.

Lediglich das Saisonauftaktspiel gegen den FC Augsburg verloren die Eisernen mit 1:3. Was ist eigentlich möglich, wenn die Unioner wieder mit einem vollbesetzten Stadion spielen dürfen? Champions League? Deutsche Meisterschaft? Nein, nicht wirklich. Auch in der kommenden Saison kann das oberste Saisonziel auch nur heißen: mit aller Gewalt Klassenerhalt und vielleicht auch wieder vor der ollen Tante aus Charlottenburg ins Ziel zu kommen.

Spieler Tops & Flops: Bei einer Mannschaft, die weit über den an sie gestellten Erwartungen gespielt hat, als potenzieller Absteiger gehandelt wurde und jetzt im Europapokal auftauchen wird, beim spielenden Personal über mögliche Flops zu sprechen, ist nahezu unmöglich. Dagegen gab es jede Menge Tops. Union Berlin ist als Mannschaft noch mehr zusammengewachsen. Dennoch gibt es Spieler, die eine besondere Entwicklung genommen haben. Exemplarisch sei hier Mister Flügelflitzer Sheraldo Becker genannt, der mit einem Ball am Fuß viel schneller unterwegs ist, als der Rest der Mannschaft und maßgeschneiderte Flanken aus vollem Lauf in den Strafraum servieren kann. So könnte man jetzt aus jedem Mannschaftsteil weitere Spieler herausgreifen.

Dennoch gibt es einen Spieler, der eine explosionsartige Entwicklung vom Zweitligaspieler zum absoluten Stammspieler genommen hat: Robert Andrich. Anfänglich eher durch eiserne Zweikämpfe und das Sammeln von Gelben-Karten aufgefallen, entwickelte er sich als Mittelfeldspieler der sowohl gefährliche und präzise Pässe in die Spitze spielen, wie auch selbst aus der Distanz den Abschluss suchen kann. Zudem geht Robert Andrich keinem Zweikampf aus dem Weg, den er meistens fair zu regeln versteht. 11 Gelbe in der letzten Saison und ein Tor gegenüber nur 5 Gelben und fünf Toren in dieser Saison belegen seine Entwicklung eindrucksvoll. Andrich ist ein Spieler, der durch seine Mentalität überzeugt und mittlerweile auch spieltechnisch überzeugt. Ihn hat man lieber in den eigenen Reihen, als gegen sich.

Blick in die Glaskugel: In Anbetracht der Pandemie und den sehr stark eingeschränkten finanziellen Verhältnissen hat Union hauptsächlich auf Leispieler gesetzt, die fast alle wieder den Verein verlassen werden. Vorerst wurde lediglich nur für den Japaner Keita Endo die Kaufoption gezogen. Für Loris Karius und Taiwo Awoniyi geht es wieder zurück nach Liverpool, für Joel Pohjanpalo nach Leverkusen, für Nico Schlotterbeck nach Freiburg und für Petar Musa zurück nach Prag.

Die Verträge von Christian Gentner und Akaki Gogia wurden nicht verlängert, Florian Hübner wechselt mangels Einsatzperspektive nach Nürnberg und Christopher Lenz versucht sein Glück bei der SGE. Über Marvin Friedrich und Robert Andrich ist noch nichts weiter bekannt. Allerdings stehen beide mit Sicherheit auf dem Zettel zahlreicher Clubs der Bundesliga oder Premier League. Zur neuen Saison sind bereits verpflichtet: Levin Öztunali (Mainz), Tymoteusz Puchacz (Lech Posen), Paul Jaeckel (Fürth) sowie Rani Khedira (FCA). Wie auch in den letzten Jahren: we trust in Oli. Als oberstes Saisonziel sollte auch in der kommenden Spielzeit für den 1. FC Union Berlin nur gelten: Klassenerhalt.


Schalke 04

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Schalke verliert auch das letzte Spiel dieser Bundesligasaison. Gegen das abstiegsbedrohte Köln konnte die erste Halbzeit noch auf Augenhöhe geführt werden. Doch nach der Halbzeit, als der Abstieg für die gegnerische Mannschaft von Minute zu Minute näher rückte, wurde Schalke immer weiter in die eigene Hälfte zurückgedrängt. Weil Werder andernorts früh hinten lag, würde Köln ein einziges Tor zur Relegation reichen.

Und so steigerte der FC stetig seine Angriffsbemühungen. Zwar boten sich damit zunehmend Räume für Schalker Konter, die diese aber nicht auszunutzen wussten. Stattdessen versteifte sich das Team aufs Verteidigen. Ein Tor von Andersson wurde in der 71. Minute noch vom VAR zurückgenommen, doch schließlich gelang Bornauw in den Schlussminuten der Partie doch noch das erlösende 1-0.

Auf Schalke debütierte derweil mit U19-Verteidiger Pavlidis der 42. Spieler diese Saison. Grammozis gelangen mit zwei Siegen also nicht nur mehr als allen seinen Vorgängern, unter ihm bekamen auch viele Spieler aus der U19 und U23 eine Chance sich in Einsätzen bei den Profis zu beweisen. Das Alles ist aber natürlich bestenfalls nur der Anfang für die Bewältigung all jener Probleme, die dem FC Schalke - nicht erst seit dem Abstieg - bevorstehen.

Saisonfazit: Am Ende bleibt eine miserable Saison mit nur wenigen Hoffnungsfunken. Die Entscheidung über den Sommer an Trainer Wagner festzuhalten bei damals 16 sieglosen spielen in Serie, war schon kontrovers. Die Mannschaft schien er nicht vollends verloren zu haben - zumindest stellte sie sich nicht klar gegen den Trainer, wie bei Weinzierl oder später im Saisonverlauf bei Gross der Fall war - und es gelang im sogar Rudy auf ein Jahr als Rechtsverteidiger auf Schalke einzuschwören. Aber selbst die Befürworter dürften ob der Transferpolitik schwarz gesehen haben.

Schalke verlor zahlreiche wichtige Spieler und das größtenteils ablösefrei. Gestopft wurden die klaffenden Kaderlücken nur mangelhaft, Schneider sprach immer wieder vom fehlenden Geld, schaffte es aber andererseits nicht selbst die nachgefragtesten Spieler im Kader zu verkaufen, sondern konnte bestenfalls Leihgeschäfte aushandeln.

Dazu kam eine miserable Vorbereitung. Wagner hatte die ersten Wochen genutzt, seinen Kader neu zu bewerten - ob der fehlenden Transfers vielleicht notwendig, aber sich nicht optimal. Als er dann seine veränderte Spielidee einstudieren lassen wollte, wurde das Training mehrfach durch äußere Einflüsse bombardiert. Von den sechs letzten geplanten Spielen vor Ligastart fanden schließlich nur zwei statt, Wagners Team zeigte sich spielerisch kaum verbessert und der Trainer wurde schon nach zwei Spieltagen entlassen.

Es folgte Baum mit einem neu improvisierten Trainerteam. Er bekam zumindest einen Rechtsverteidiger ausgeliehen. Was er nicht bekam, war die nötige Trainingszeit dem Team seine deutlich andere Herangehensweise zu vermitteln. Die Mannschaft zeigte zwar Fortschritte, aber nur langsam und die Ergebnisse stimmten dabei leider auch nicht. Nach zehn Spielen griff die Vereinsführung schließlich zur Verzweiflungstat.

Stevens übernahm für ein Ligaspiel und das Zweitrundenspiel im DFB-Pokal und zum neuen Jahr wurde ein neuer Trainer verpflichtet. Gross sollte mittels Autorität Ordnung in die Mannschaft bringen - das klingt mindestens so veraltet, wie es wirkungslos war. Gegen den Neuen sprachen letztlich nicht nur die Rückentwicklung auf dem Platz, sondern auch ausgerechnet diejenigen gestandenen Spieler, die zur Rettung für die Rückrunde unter Gross im Januar verpflichtet worden waren. Immerhin der erste Saisonsieg gelang gegen Hoffenheim. Nach erneut zehn Spielen war aber Schluss, diesmal nicht nur für den Trainer, sondern auch für Sportvorstand, Teamkoordinator und Athletikchef.

Damit war die Saison spätestens gelaufen, der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz war für ein derart desolates Team schier uneinholbar. Doch nichtmal ein sauberer Schnitt zum Neuanfang sollte gelingen. Stattdessen wurde Rangnick von einer zunächst geheimen Gruppe über eine geplant deruptive Streuung in der Presse ins Gespräch gebracht. Von den ausgehandelten Konditionen und der sicheren Zusage dieses Wunschkandidaten war nach einem ersten Gespräch mit dem Aufsichtsrat plötzlich nichts mehr übrig. Nachdem er den Medienrummel eingesackt hatte, machte Rangnick einen Rückzieher - einen Move, den er wenige Wochen später bei Eintracht Frankfurt wiederholen sollte.

Doch der Schaden war längst getan, zahlreiche Fans fielen auf die Posse rein und der Verein kam bis heute nicht mehr zur Ruhe. Dass sich die meisten Diskussionen nur in nutzlosen Schuldzuweisungen und Personaldebatten ergehen, ist man auf Schalke ja schon gewohnt. Die gestarteten Petitionen pro Rangnick und für eine - terminlich nahezu unmögliche - außerordentliche Mitgliederversammlung würden gar zum Schmunzeln einladen, so weit gehen sie an jeglicher Vereinsdemokratie vorbei. Doch als Kollateralschaden sagten nun auch sämtliche anderen Kandidaten für den Sportvorstand ab.

Viel schlimmer war aber, wie der Verein von seinen eigenen Anhängern mit Füßen getreten wurde. Aufsichtsratsvorsitzender Buchta und Marketingvorstand Jobst, sowie dessen Familie wurden von selbsterklärten Schalke-Fans bedroht. Nach dem Spiel in Bielefeld, bei dem der lange angekündigte Abstieg besiegelt wurde, lauerten einige Anhänger der Mannschaft auf. Es blieb nicht bei verbaler Gewalt, Spieler und Staff wurden tätlich angegriffen. Erschreckend auch, wie oft und mit welcher breiten Zustimmung das Alles im Nachhinein noch relativiert wurde.

Das lässt das sportliche Abschneiden und die finanzielle Notlage in den Hintergrund rücken. Die Entscheidungsträger sind freilich längst ausgetauscht worden oder verlassen den Verein zum Saisonende. Vorher werden auf der Mitgliederversammlung noch Aufsichtsrat, Wahlausschuss und Ehrenrat neu berufen. Und auch der Kader wird runderneuert. Um dies alles einzuleiten und zu begleiten war Knäbel als Sportvorstand eingesetzt worden, der mit Grammozis den fünften Trainer dieser Saison einstellte.

Tatsächlich wurde auf Schalke daraufhin seit Jahren mal wieder sichtbar konsequent ein Ziel verfolgt, dass über die aktuelle Saison hinaus ging. Und so muss es weiter gehen. Die finanzielle Konsolidierung beschäftigt den Verein schon seit Jahrzehnten, genauso fehlte jahrelang ein tragfähiges Offensivkonzept - beides bei dem ständig wechselnden Personal auf allen Ebenen kein Wunder. Wozu das unweigerlich führt, haben die letzten Jahre gezeigt, es bleibt nur die Hoffnung, dass die richtige Lehren daraus gezogen wurden.

Spieler Tops & Flops: Es wirkt sinnlos nach dieser Saison noch einzelne Spieler hier herauszustellen. Weder mag ich Flops anprangern, noch hat die gesamtmannschaftliche Leistung herausragendes Auftreten einzelner erlaubt. Schalke ist in seiner Gesamtheit - mit allem Gezeigten sowohl auf als auch neben dem Platz - verdient und abgeschlagen als 18. abgestiegen.

Blick in die Glaskugel: Schalke beginnt wieder bei seinem ganz eigenen Neujahr. Jetzt mit Knäbel und Grammozis in Verantwortung - falls nicht nach der MV nochmal alles über den Haufen geworfen wird - die ersten Neuzugänge gab es auch schon. Schröder wird Sportdirektor, Terodde, Latza und Pálsson verstärken die Mannschaft. Vieles weiteres wird folgen (müssen). Und es bleibt nur die Hoffnung, dass der Schalker Jahreszeitenzyklus endlich wieder länger als ein Kalenderjahr braucht…


FSV Mainz 05

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Am letzten Spieltag der Saison konnte Mainz noch einmal alles zeigen, was sie in der Rückrunde so stark gemacht hat. Auswärts gegen Wolfsburg stand man in der Verteidigung sehr sicher und konnte die wenigen guten Angriffe der Wolfsburger gut abwehren. Währenddessen war der Angriff immer für eine Chance gut. Vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Spieler und die Uneigennützigkeit wurde im 1:0 sichtbar, als Robin Quaison in guter Abschlussposition auf den freistehenden Jean-Paul Boëtius ablegte. Nach der Pause folgte dann Boëtius Geniestreich auf Onisiwo und Quaison konnte den Nachschuss zum 2:1 verwandeln. Den Endpunkt der Saison setzte dann Stefan Bell, der in der gesamten Rückrunde stark aufspielt mit seinem Kopfball zum 3:2.

Die Wolfsburger dagegen hätten ihre jeweiligen Ausgleichstreffer nicht schöner machen können, jeder Treffer gegen Finn Dahmen war ein Sahnestück.

Saisonfazit: Die Mainzer Saison als eine Achterbahnfahrt zu bezeichnen wäre eine Übersimplifizierung. In der Geschichte der Bundesliga gab es noch keine Mannschaft die so einseitig in der einen und dann so gut in der anderen Saisonhälfte gewesen war. Diese Saison von Mainz 05 war historisch. Vor Tiefpunkten kann man sich in der Hinrunde nicht retten: Der Spielerstreik, Rauswurf von Achim Beierlorzer, Zweitschlechteste Abwehr der Liga, DFB-Pokal aus nach desaströsem Elfmeterschießen, Trennung von Sportvorstand Rouven Schröder und Trainer Jan-Moritz Lichte

Und das sind nur die ersten Dinge, die einem in den Sinn kommen.

In der Rückrunde dann das komplette Gegenteil: Christian Heidel kommt als Sportvorstand, Martin Schmidt als Sportdirektor und Bo Svensson als Trainer, erster Sieg gegen Leipzig, Gefestigte Abwehr, Favoritenschreck gegen Leverkusen, Gladbach, 9 Spiele ungeschlagen, Sieg gegen Bayern München, Nichtabstieg auf der Couch.

Es fällt schwer bei dieser erdrückenden Anzahl an positiven wie negativen Momenten einen hoch oder Tiefpunkt zu wählen. Am ehesten ist der Tiefpunkt aber der Spielerstreik vor dem 2. Spieltag, und der Höhepunkt der Sieg gegen Bayern München am 31. Spieltag.

Insgesamt kann man als Mainz mit dem Ergebnis der Saison zufrieden sein, mit 39 Punkten und Platz 12 hat man besser abgeschnitten als in der vorherigen Saison und kann sich auf ein 13. Jahr Bundesliga in Folge freuen.

Spieler Tops & Flops: Vor allem in der ersten Saisonhälfte waren viele Spieler nicht wirklich auf der Höhe. Vor allem in der Abwehr und dem defensiven Mittelfeld lief nicht besonders viel zusammen. Linksverteidiger Aarón Martin konnte nicht an vergangene Leistungen anknüpfen, Pierre Kunde als Mittelfeldspieler auch nicht. Dazu kam eine Torflaute und Teilweise haarsträubende Chancenverwertung vorallem auch von Jean-Philippe Mateta.

In der zweiten Hälfte spielten dann Stefan Bell, Philipp Mwene, Jeremiah St. Justed und Moussa Niakhaté, so wie die Neuzugänge Kohr und Da Costa groß auf.

Über die Saison gesehen war Jeremiah St. Juste am konstantesten, hat den Geschwindigkeitsrekort für diese Saison geholt und würde für die starken Leistungen auch für die niederländische Nationalmannschaft berufen. Deswegen ist er der Mainzer Spieler der Saison.

Blick in die Glaskugel: Die Spieler Philipp Mwene, Levin Öztunali (Union Berlin), Danny Latza (Schalke 04) und Ahmet Gürleyen (Wehen Wiesbaden) werden Mainz 05 zum Saisonende ablösefrei verlassen. Auch Danny Da Costa (Eintracht Frankfurt), Dominik Kohr (Eintracht Frankfurt) und Robert Glatzel (Cardiff City) werden nach ihren Leihen erstmal zu ihrem Heimatverein zurückkehren, wobei mindestens an Da Costa und Lohr von Mainzer Seite Interesse besteht das Engagement fortzusetzen.

Auch bei Robin Quaison, Stefan Bell und Ádám Szalai ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Alle drei haben auslaufende Verträge, haben sich aber in den letzten Wochen durch ihre Leistungen für einen neuen Vertrag empfohlen und noch keinen Abschied bekannt gegeben. Allein Robin Quaisons ablösefreier Abgang wäre aufgrund seines großen Marktwerts von 7,5 Mio € schmerzhaft, ganz zu schweigen von seiner Bedeutung für das Angriffsspiel. Bells und Szalais Rolle ist eher Mannschaftsintern wichtig.

Florian Müller (FC Freiburg), Aarón Martin (Celta Vigo), Jonathan Meier (Dynamo Dresden) und David Nemeth (Sturm Graz) werden von ihren Leihen zurückkommen und im neuen kader eingeplant, wobei Aarón und Müller durchaus Verkaufskandidaten sind.

Den Leih-Rückkehrern Dong-Won Ji (Eintracht Braunschweig) und Issah Abass (Twente Enschede) werden eher keine Chancen zugetraut, es in den Kader zu schaffen.

Als einziger externer Neuzugang wurde bisher Linksverteidiger Anderson Lucoqui (Bielefeld) ablösefrei verpflichtet.


1. FC Köln

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Der 1. FC Köln hat - im Gegensatz zur restlichen Bundesliga-Konkurrenz - seine Saison noch nicht beendet. Ein hart, hart erarbeiteter 1:0-Heimsieg gegen Schalke 04, den Sebastiaan Bornauw mit einem Kopfballaufsetzer erst in der 86. Minute sicherstellte, ließ die “Geißböcke” praktisch mit dem letzten Atemzug noch an Werder Bremen vorbeiziehen und den Relegationsrang einnehmen. Zwei weitere Partien gegen Holstein Kiel entscheiden also über das Kölner Schicksal in dieser Spielzeit. Die erste davon, sie ist bereits gespielt - und gut sieht es für den FC wahrlich nicht aus. Zur Hälfte der Relegation liegt das Team von Friedhelm Funkel nach Simon Lorenz’ Kopfballtor mit 0:1 hinten und reist mit dieser Hypothek am Samstag nach Kiel, um den siebten Abstieg in 23 Jahren noch irgendwie zu verhindern.

Saisonfazit: Egal, ob am Ende für den FC der Klassenerhalt oder doch der so bittere wie verdiente Gang in die 2. Bundesliga zu Buche steht: Es muss sich am Geißbockheim viel ändern. Personell wie auch strukturell. Auf einer entscheidenden Position ist ein Wechsel bereits sicher: Steffen Baumgart wird Interimslösung Friedhelm Funkel als Trainer der “Geißböcke” folgen und mit seiner offensiven Fußballidee sowie seinem kantigen Charakter für frischen Wind beim Traditionsverein sorgen. Ob Horst Heldt dann noch als Sportchef an Bord ist? Die Zeichen stehen schlecht, der Geschäftsführung steht angeblich vor der Ablösung - auch bei einem Ligaverbleib. Das ist auch angesichts seiner miserablen Transferbilanz und dem viel zu langen Festhalten an Markus Gisdol völlig verständlich. Über weite Strecken der Saison mangelte es dem FC an einem bundesliga-tauglichen Mittelstürmer, dazu spielten die “Geißböcke” schauerlichen Fußball. Ein vorhersehbarer Abstieg, den offensichtlich jeder außer der Verantwortlichen im Geißbockheim hatten kommen sehen. Aber das muss, wie die Vergangenheit beim 1. FC Köln zeigt, nicht unbedingt etwas heißen.

Spieler Tops & Flops:

TOPS

Nach einer solchen Spielzeit tut sich vermutlich jeder Beobachter schwierig, jemanden positiv hervorzuheben. Beim FC kann das aber ohne Probleme gelingen: Jonas Hector fehlte lange aufgrund diversen Blessuren (inklusive einer mysteriösen Nackenverletzung, deren Ausmaß unterschätzt wurde), aber der Kapitän ließ in dieser Saison sein Herz auf dem Platz, wenn er denn eingesetzt werden konnte. Sogar als Mittelstürmer agierte der ehemalige Nationalspieler. Auch Sebastiaan Bornauw ist wenig vorzuwerfen, doch Spieler der Saison ist sicherlich Ellyes Skhiri. Der Dauerläufer im Kölner Mittelfeld sorgte für Struktur und sogar Torgefahr. Der Tunesier war wohl der wichtigste FC-Spieler 2020/21.

FLOPS

Es gehört sich in meinen Augen nicht, in einem solch dysfunktionalen Gebilde wie dem 1. FC Köln einzelne Spieler herauszupicken und als Transferflops zu labeln. Konnten gerade die Wintereinkäufe wie Max Meyer und Emmanuel Dennis dem Team eine Hilfe sein? Sicherlich nicht, aber lag das an ihnen oder an der Lage, in die sich die “Geißböcke” befördert haben? Schwerlich zu beurteilen, letztlich lag diese miserable Spielzeit weniger an einzelnen “Flops” denn an einer ziemlich bescheidenen Gesamtsituation, in der schwache Entscheider schwache Entscheidungen getroffen haben.

Blick in die Glaskugel: Der 1. FC Köln wird hoffentlich mit Steffen Baumgart nicht den Fehler machen und die abgelaufene Spielzeit als “Betriebsunfall” abhaken, wie es schon 2018 geschah. Es muss eine schonungslose Bestandsaufnahme her - und dies muss dann auch in die Tat umgesetzt werden. Mit Dejan Ljubicic (und vermutlich Marvin Schwäbe) ist eine erste Blutauffrischung des Kaders bereits eingeleitet, es bedarf aber noch jeder Menge weiterer Arbeit, um allen FC-Fans eine solche Horrorsaison demnächst zu ersparen.


FC Augsburg

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Wenn es am letzten Spieltag um nichts mehr geht, war es in der Regel eine erfolgreiche Saison des FC Augsburg. Das trifft in dieser Spielzeit zwar nur teilweise zu, dazu aber später mehr. Zum Abschluss gab es einen lockeren Sommerkick in der Münchener Allianz-Arena, bei dem es für beide Teams um fast nichts mehr ging. Wenn man einmal von Robert Lewandowskis Jagd nach dem “ewigen Rekord” von Gerd Müller absieht. Bis zur Nachspielzeit war das dann auch die Geschichte dieses Spiels. In erster Linie, weil Augsburgs Keeper Rafal Gikiewicz etwas dagegen zu haben schien, seinem Landsmann diese Rekordmarke zu gönnen. Die reguläre Spielzeit war bereits abgelaufen als der Torhüter einen Schuss von Sané nur nach vorne abwehren konnte und der “ewige Rekord” dann doch noch fiel. Kleine Randnotiz zum Spiel: auch davor war noch einiges passiert. Gouewleeuw (ET), Gnabry, Kimmich und Coman hatten für die Bayern getroffen, anschließend dann Hahn und Niederlechner für die Gäste. In der ersten Hälfte vergab Caligiuri einen Strafstoß. Endstand 5:2 für die Hausherren.

Saisonfazit: In Anbetracht des Kaders hätte es eine absolute entspannte Saison für den FC Augsburg werden können. Das nominell stärkste Team der Fuggerstädter musste aber letzten Endes doch noch kräftig um den Klassenverbleib zittern. Dabei hatte die Spielzeit noch so gut angefangen. Aus den ersten drei Partien gegen Union, Dortmund und Wolfsburg gab es satte sieben Punkte, wirkliche Highlights gab es in der restlichen Saison dann kaum noch. Den Tiefpunkt der gesamten Spielzeit dann kurz vor Schluss mit der ersten Halbzeit im Heimspiel gegen den 1.FC Köln. Die Augsburger ließen sich in den ersten 45 Minuten vorführen und demütigen. Es war nur folgerichtig, dass danach für Trainer Heiko Herrlich Schluss war. Eine Entscheidung, die viel zu spät fiel und auch kein gutes Licht auf Sportvorstand Stefan Reuter wirft, der blind am Coach festhielt, obwohl die Leistungskurve schon sehr lange nach unten zeigte.Wenn der FC Augsburg den Klassenerhalt schafft, muss er eigentlich mit der Saison zufrieden sein, doch das gilt für diese Spielzeit nur bedingt. Man hätte es viel einfacher haben können.

Spieler Tops & Flops:

TOPS

Ein Name sticht deutlich unter all den anderen hervor. Torhüter Rafal Gikiewicz war mit Abstand der beste Spieler der Saison und trug ganz maßgeblich zum Klassenerhalt bei. Nach dem Abgang von Marwin Hitz zum BVB folgten zwei Saisons mit sehr schwankenden Torhüter-Leistungen. Nicht so in diesem Jahr als der FCA einen bombenstarken Rückhalt hatte.
Daniel Caligiuri
war vor allem zu Beginn der Saison Dreh- und Angelpunkt bei den Fuggerstädtern. Nach dem unglücklichen Abgang von Daniel Baier in der Sommerpause übernahm er sofort die Rolle als erfahrener Leitwolf. Gegen Ende der Saison wirkte er überspielt.
Newcomer der Spielzeit war Robert Gumny, der in der Hinrunde gar keine Rolle spielte, sich aber im Verlauf der Rückrunde zunehmend im Team festspielte. 

FLOPS

Tobi Strobl
konnte die in ihn gesetzten Erwartungen leider nicht erfüllen. Bis auf wenige Ausnahmen schaffte er es nicht das zentrale Mittelfeld zu stabilisieren, obwohl er alle Qualitäten dafür mitbringt. In vielen Situation zu schlampig, passiv und unkonzentriert. Bleibt zu hoffen, dass ihm der Fußball unter Weinzierl mehr liegt.

Blick in die Glaskugel: Der FC Augsburg verabschiedete sich am Ende der Saison von drei Spielern. Rani Khedira zieht es zu Union Berlin, für Laszlo Benes geht es nach Leihende zurück nach Mönchengladbach und Marek Suchys Ziel ist bis dato unbekannt. Feste Zugänge gibt es bislang nicht, die Gefahr weiterer Abgänge droht vor allem bei den Personalien Felix Uduokhai, Ruben Vargas und Marco Richter.


SV Werder Bremen

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Das letzte Bundesligaspiel der Saison hat der SV Werder Bremen gegen Borussia M’Gladbach mit 2:4 verloren. Was soll man noch über Werder schreiben? Wie in den letzten 10 Spieltagen auch versagt das Team erneut. Wenn man in einem so wichtigen Spiel nach 3 Minuten das 0:1 (Stindl) kassiert und dann in der 19. Minute eine 100%ige Torchance (Selke) zum Ausgleich nicht nutzt, dann sagt das schon alles. Für Gladbach ging es um den Einzug in die Europa Conference League. Was sie auch mit den Toren von Thuram (52.), Bensebaini (58.), Neuhaus (67.) eindrücklich zeigten. Die Tore von Rashica (81.) und Füllkrug (83.) zum 2:4 kamen zu spät. Das Gladbach nun doch nicht in der Europa Conference League spielt einzig und allein daran, das Union Berlin ihr Spiel gegen RB Leipzig gewonnen haben Der Trainerwechsel nach dem 33. Spieltag kam wie zu befürchten zu spät.  

Saisonfazit:

→ Saisonhighlight: Die sind schwer zu finden. Sieben gewonnene Spiele? Natürlich erinnert man sich gerne an das 2:2 gegen den FC Bayern München. Immerhin hat es 11 Jahre gedauert, wieder gegen den FC Bayern München zu punkten, auch wenn in diesem Spiel ein Sieg zum Greifen nahe gewesen wäre. Auch der erneute Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale bleibt natürlich in positiver Erinnerung. 

→ Tiefpunkt der Saison: Der Abstieg. Der Bundesliga Abstieg nach 41 Jahren Schmerz sehr. Zumal man so nahe am Klassenerhalt war. Nach dem 24. Spieltag hatte Werder schon 30 Punkte und ist am Ende mit 31 Punkten knapp abgestiegen. Das Saisonziel war ganz klar mit Klassenerhalt formuliert worden. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Nach der verkorksten Saison 2020/21 mit der Rettung in der Relegation sollte es kein “weiter so” mehr geben und jetzt der Abstieg.

Spieler Tops & Flops:

Tops, bei den Spielern zu finden wird schwierig. Wenn überhaupt, sind es die jungen Spieler um Jean Manuel Mbom und Romano Schmid und Felix Agu, die auf sich aufmerksam gemacht haben. Sie werden vermutlich das Gerüst sein, für den Neuanfang in der 2. Liga.

Flops, Wo fängt man an und wo hört man auf? Die Liste ist lang. Ich beschränke mich auf die Prominentesten. Davie Selke. Seit seiner Rückkehr konnte er nicht mehr an seine Leistung anknüpfen, die er bei seinem Weggang Richtung Leipzig hatte. Schade. Den willen konnte man ihn nicht absprechen, aber zeigen konnte er sie nicht. Niclas Füllkrug war gebeutelt von Verletzung, aber auch er enttäuschte am Ende der Saison, als es auf ihn ankam. Yuya Osako. Das Missverständnis Osako und Werder sollte jetzt ein Ende haben. Er ist in Bremen nie heimisch geworden und wurde oft gescholten. Oftmal auch übertrieben und ungerechtfertigt. Aber seine Körpersprache vermittelte oftmals eine gewisse Lustlosigkeit. Josh Sargent hatte von allen Stürmern noch die beste Saison, aber auch er zeigte Defizite.Das Tore schießen. Da ein Stürmer an Toren gemessen wird, hat auch er in dieser Disziplin enttäuscht. Maxi Eggestein musste in dieser Saison auf mehreren Positionen aushelfen. Der Achter musst öfters auf der Sechs aushelfen, da Manager Frank Baumann nicht fähig war, auf dem Transfermarkt einen Ersatz für Sahin und Bargfrede zu finden. Aber Eggestein läuft noch immer seiner Form von vor zwei Jahren hinterher, als er auf dem Sprung zur Nationalmannschaft war. Natürlich könnte man die Liste noch fortführen und sie ist subjektiv, aber es zeigt auch nur, wie schlecht der Kader zusammengestellt wurde.

Blick in die Glaskugel: Durch den Abstieg wird Davie Selke, Werder wieder in Richtung Hertha verlassen. Durch den Abstieg greift die Kaufpflicht nicht. Was kein großer Verlust ist. Des Weiteren verlassen Theo Gebre-Selassie und Niklas Moisander geplant den Verein und kehren in ihre Heimat zurück. Danach ist noch viel offen. Fest steht, dass ein neuer Trainer kommen wird. Gerüchte gibt es viele, aber noch nichts Konkretes. Gesucht wird ein Trainer, der aus wenig viel machen soll und am besten den sofortigen Wiederaufstieg schafft. 

Was wird aus Manager Frank Baumann? Bei den Fans ist er einer der Schuldigen, die den Abstieg zu verantworten haben. Aktuell ist noch nicht sicher, ob er bleiben darf. Es verdichten sich aber die Zeichen, dass er weitermachen darf. Zugänge stehen noch keine fest. Für die Fans steht auch der Aufsichtsrat in der Verantwortung. Brisant dabei ist das bei der Mitgliederversammlung, die aufgrund der Pandemie verschoben werden musste, Neuwahlen anstehen. Es gibt inzwischen einige neue Kandidaten, die gewählt werden wollen. Es zeichnet sich eine emotionale und ereignisreiche Veranstaltung zu werden.


Arminia Bielefeld

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Wenn man es in der eigenen Hand hat, dann erledigt man es am besten auch selbst. Gesagt, getan: Mit dem 2:0-Sieg in Stuttgart hat sich Arminia den direkten Klassenerhalt gesichert. Ausgerechnet das Team, das die „Experten“ vor der Saison zum Absteiger Nummer eins auserkoren hatten. Der Auftritt in Stuttgart passte perfekt zur Arminia 2020/21. Spielerisch war der Gegner haushoch überlegen. Mit zwischenzeitlich fast 80 Prozent Ballbesitz kombinierte sich der VfB über den Platz, doch die Tore schoss der erneut sehr engagierte Aufsteiger aus Ostwestfalen.

Saisonfazit: Kurz nach dem Aufstieg 2020 hatte Sport-Geschäftsführer Samir Arabi erstmals den Schlauchboot-Vergleich genutzt. Hier die gestandenen Bundesligisten, das große Geld, die Motorboote, da der kleine Aufsteiger aus Ostwestfalen, mit dem geringsten Erstliga-Etat, das Gummiboot im großen Bundesliga-Teich. Man hatte dem DSC nicht viel zugetraut, weil eben das Geld und die Bundesligaerfahrung im Kader fehlten. Und gerade das macht die Geschichte des Klassenerhalts der wacker kämpfenden Ostwestfalen womöglich auch so romantisch im am Romantik armen Knallhart-Geschäft Fußball. Nicht ein teurer Kader, sondern ein mannschaftlicher Zusammenhalt haben am Ende das Gummiboot ins Ziel gepaddelt - vor Größen wie Schalke, Bremen und womöglich auch Köln. Der Trainerwechsel im frühen Frühjahr von Uwe Neuhaus zu Frank Kramer hatte sich damit auch ausgezahlt. Zwar lahmte die Offensive weiter (nur 26 Saisontore), dafür brachte Kramer die entscheidende Stabilität zurück in die Abwehr - sie war ein Garant für den Klassenerhalt.

Dass es so kommt, mochte im trüben Herbst und Winter niemand glauben. Spätestens nach dem 0:5 bei Union Berlin hatten selbst Optimisten den DSC so gut wie abgeschrieben. Doch es lief ganz anders…

Spieler Tops & Flops:

TOPS

Mit der kometenhaften Entwicklung von Stefan Ortega Moreno hatten wohl die Wenigsten gerechnet. Der Keeper spielte eine Topsaison. Sogar die Bayern sollen ein Auge auf den Arminen geworfen haben und bei Jogi Löw steht der Torwart als EM-Nachrücker auf dem Zettel. 

Ritsu Doan ist der fußballerisch wohl begabteste Kicker in den Reihen der Bielefelder. Die Leihgabe aus Eindhoven (fünf Tore, drei Vorlagen) war eine wichtige Säule im Team. Der DSC denkt deshalb auch darüber nach, die Kaufoption für den Japaner, die bei etwa fünf Millionen Euro liegt, zu ziehen.

Manuel Prietl als Dauerläufer und -kämpfer im Mittelfeld und die beiden Innenverteidiger Amos Pieper und Joakim Nilsson zählen ebenfalls zu den Positiverscheinungen der Saison. Genau so wie Linksverteidiger Cedric Brunner.

FLOPS

Augsburg-Leihgabe Sergio Cordova schien dagegen nie richtig in Bielefeld angekommen zu sein. Auch Michel Vlap glänzte vor allem beim 3:3 in München, danach aber so gut wie gar nicht mehr. Auch für Joan Simun Edmundsson und Reinhold Yabo lief die Saison alles andere als optimal. 

Blick in die Glaskugel: Mit Bochum, Fürth und womöglich Kiel könnten drei Klubs in der Bundesliga dabei sein, mit denen die Arminia mindestens mal auf Augenhöhe ist. Dass man zudem hin und wieder auch mit gestandenen Bundesligisten mithalten und den ein oder anderen großen ärgern kann, haben die Arminen etwa beim 3:3 in München oder dem 2:1-Sieg in Leverkusen gezeigt. War der Klassenerhalt in der Saison 2020/21  im Vorfeld sehr unrealistisch, scheint er in der Saison 2021/22 also nicht ausgeschlossen. Und das ist für einen Klub, der gerade erst das Negativ-Prädikat „erster Absteiger“ abgelegt hat, doch eine ganz spannende Aussicht. 

Als Abgänge stehen bereits Cebio Soukou, Nils Seufert, Joan Simun Edmundsson fest. Zunächst kehren auch die Leihspieler Ritsu Doan (PSV Eindhoven), Masaya Okugawa (RB Salzburg), Arne Maier (Hertha BSC), Michel Vlap (RSC Anderlecht) und Sergio Cordova (FC Augsburg) zu ihren Stammvereinen zurück.

Als Neuzugänge sollen bereits Janni Serra (Holstein Kiel) und Sebastian Vasiliadis (SC Paderborn) feststehen.


VfB Stuttgart

Rückschau auf das letzte Bundesligaspiel: Der VfB Stuttgart verliert das letzte Spiel der Saison 2020/2021 mit 2:0 gegen Mitaufsteiger Arminia Bielefeld und beendet die Saison auf Platz 9. Das Spiel begann vielversprechend: Der VfB, der das Spiel größtenteils kontrollierte, kombinierte sich durch die Bielefelder Hälfte, doch kam er nicht richtig vor das Tor von Ortega. Zwar gelang dem Gastgeber ein Tor durch Sasa Kalajdzic, leider stand der Assistgeber Roberto Massimo zuvor im Abseits.

In der zweiten Hälfte verursachte Ahamada einen Elfmeter für die abstiegsbedrohten Bielefelder den Fabian Klos souverän verwandelte. Von da an verloren die Schwaben entgültig die Spannung und das Spiel war entschieden. Ritsu Doan erhöhte für Bielefeld wenig später zum 2:0 Entstand.

Nachdem Schlusspfiff durften aber beide Mannschaften zufrieden sein. Die zwei Aufsteiger feierten den Klassenerhalt und werden auch in nächster Saison aufeinander treffen. Das nächste Mal hoffentlich mit positiven Ausgang für die Schwaben. Glückwunsch an Bielefeld!

Saisonfazit: Die Saison war ein voller Erfolg für den VfB Stuttgart! Am Anfang der Saison standen noch viele Fragezeichen und die Zweitligasaison war auch nicht vollends überzeugend. Der große Teil der Fans sowie der Expert*innen sagten eine schwere Saison und einen Abstieg vorraus. In Wahrheit hatte man mit dem Abstieg nie wirklich was zu tun! Die Mannschaft von Sven Mislintat war niemals schlechter als Platz 12, im Gegenteil am Ende hat man knapp einen internationalen Platz verpasst. Das gelang den jungen Wilden, obwohl im Saisonendspurt zahlreiche Leistungsträger wie Orel Mangala, Nicolas Gonzalez und Silas Wamangituka ausfielen.

Der Höhepunkt der Saison war das 5:1 in Dortmunder Westfalenstadion. Man presste die Schwarzgelben am eigenen Sechzehner, kombinierte sich durch das Dortmunder Starensemble und schoss sie regelrecht ab. Sogar Phillipp Förster durfte damals treffen! Spätestens ab diesen Zeitpunkt war der VfB kein normaler Aufsteiger mehr sondern ein ernsthafter Konkurrent in der Bundesliga, der schwer zu bespielen ist.

Leider lief nicht alles perfekt für den fünfmaligen deutschen Meister. Fußballerisch kann man da das 0:4 in München trotz Überzahl nennen aber die wahre Enttäuschung erlebten die Fans des Traditionsvereins neben dem Platz. Der Machtkampf im Zuge des Datenskandals zwischen dem Präsidenten des e.V.'s Claus Vogt und dem Vorstandsvorsitzenden der AG Thomas Hitzlsperger spaltete Mitglieder und Anhänger*innen und lenkte sportlichen Erfolg der Schwaben ab. Der Datenskandal und der Machtkmapf gelten als weitesgehend aufgeklärt und ad acta gelegt. Die für den Datenskandal verantwortlichen Personen wurden längst entlassen oder sind von sich aus gegangen während die beiden Streithähne Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger das Kriegsbeil begraben haben.

Spieler Tops & Flops: TOP: Es ist viel zu schwer sich auf ein paar Spieler festzulegen. Es haben eigentlich alle über die Erwartungen hinaus performed. Sei es Gregor Kobel, der inzwischen den Ruf eines Top 5 Towartes genießt, Sasa Kalajdzic, der zum Top – Scorer und – Torjäger mutierte oder Sportsfreund Sosa, dessen butterweiche Flanken sehr berüchtigt sind. Sich da auf einen oder zwei Spieler feszulegen ist unfair gegenüber den anderen Spieler.

Spieler der Saison ist für mich Sasa Kalajdzic. Vor zwei Jahren riss er sich sämtliche Bänder im Knie und hat fast die komplette Zweitliga-Saison verpasst. Eine solche Leistung hat niemand ernsthaft prognostiziert. Außerdem sind seine Interview nachdem Spiel goldwert!

FLOP: Einer der wenigen Flops war wohl Pascal Stenzel. Der 25 – jährige Rechtsverteidiger verlor im Laufe der Saison seinen Stammplatz aufgrund eines deutlichen Leistungsabfalls. Sein Tiefpunkt erreicht er ausgrechnet gegen seinen Ex-Klub SC Freiburg beim Rückrundenauftakt wo er an beiden Gegentoren entscheidend beteiligt war. Daraufhin saß er nur noch auf der Bank und konnte sich noch nicht zurück in die Startaufstellung kämpfen.

Blick in die Glaskugel: Nach einer erfolgreichen Saison muss man damit rechnen, dass man nicht alle Leistungsträger halten kann. Gregor Kobel und Marc-Oliver Kempf gelten als quasi sichere Abgänge. Während der 23-jährige Torwart als Nachfolger von Bürki im Dortmunder Tor gilt, wird MOK wohl zurück zu seinem Jugendverein Eintracht Frankfurt wechseln. Der Innenverteidiger Marcin Kaminski und der Kapitän Gonzalo Castro wurden nicht verlängtert und gehen vertragslos in die Sommerpause. Zuletzt verweigerte auch Publikumsliebling Sasa Kalajdzic ein Bekenntnis für ein weiteres Jahr im Brustring. Es wird eine schmerzhafte Sommerpause für den Fans vom VfB.

Sven Mislintat ist schon selber aktiv geworden. Er verpflichtete den südsudanesischen Nationalspieler Alou Kuol von den Central Coast Mariners. Der 19 – jährige spielt am Liebsten im Sturm und gilt als großes Talent. Außerdem verpflichtet der VfB den 17- jährigen Ömer Faruk Beyaz. Der offensive Mittelfeldspieler kommt ablösefrei von Fenerbahce Istanbul wo er die Jugend durchlief und auch schon fünf Spiele in der türkischen Super League absolvierte.

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